WM-Aufwind: Peter Wright, Michael Smith

Alle, die sich für Darts interessieren, wissen, der neue Weltmeister heißt Peter Wright. Völlig verdient hat sich der Schotte den Titel sportlich erstritten. Der Vize-Weltmeister wird Michael Smith genannt. Was nun als Kolumne folgt, stellt die WM erst einmal auf den Kopf, dann aber felsenfest zurück auf die Füße. Es ist eben eine analytische Kolumne und kein Spielbericht.

Der neue Weltmeister: Peter Wright
Der neue Vizeweltmeister: Michael Smith

6.000-Inzidenz

Über 20 Tage erstreckte sich die PDC Darts-WM 2022, an 16 davon wurde im Ally Pally in London effektiv gespielt. 94 Partien waren angesetzt, nicht alle konnten aufgrund positiver Corona-Test ausgetragen werden, weil sich nachweislich sechs Teilnehmer infiziert haben. Eine Rate, die schlichtweg zu hoch liegt. Eine WM-Inzidenz von über 6.000! Und wir reden hier nur von den Akteuren. Ob noch die eine oder andere Infizierung in diesem Kreis hinzukommt, wird uns die unmittelbare Zukunft weisen.

Mit dem Virus ...

Von der Einhaltung irgendwelcher Corona-Regeln war im Zuschauerbereich nichts zu sehen. Well, der Britische Premier Boris Johnson hatte allgemein ausgelobt, dass sein von ihm regiertes Land versucht mit Corona zu leben. Dass dies jedoch von den WM-Organisatoren als Freibrief verstanden wurde, bedarf durchaus eines kritischen Standpunktes, der wurde allerdings via TV erschreckender Weise total vermisst.

Dass sich dadurch die WM zu einem Chaos-Event abqualifiziert hatte, wie nicht wenige andere Medien kolportierten, mag indes über das Ziel hinausschießen. Nichtsdestotrotz hat sich das Turnier dadurch verfälscht. Ohne Frage!

Nichtsdestotrotz ist Peter Wright allerdings sehr wohl ein würdiger und verdienter Weltmeister, der auf der Bühne sein Verständnis von Hygienemaßnahmen unübersehbar demonstriert hatte. Bravo! Seinem Beispiel wollten jedoch die wenigsten folgen. Dass sich nebst Peter Wright mit Michael Smith ein weiterer Akteur die Finalteilnahme vollkommen zurecht erspielt und erkämpft hatte, steht gleichsam außer Frage.

Gut und schlecht lagen dicht beieinander

Das Endergebnis von 7:5 entwickelte sich so: 3:1, 3:1, 1:3, 2:3, 3:2, 1:3, 0:3, 3:1, 2:3, 3:2, 3:0 und 3:1. Gesamtsumme der Legs 27:23. Dass ein Endspiel eigenen Gesetzen obliegt, war für alle unübersehbar, die Finalisten mussten es sogar persönlich erfahren, bitter durchleben. Da geht es schon einmal wie bei einer Achterbahnfahrt zu. Hoch und runter, himmelhochjauchend um zum Kotzen. So benötigte Michael Smith zum 1:1 Ausgleich im allerersten Set nicht weniger als 28 Darts. Erst sein neunter Pfeil aufs Doppel fand ins Ziel: D1! Damit stand er allerdngs besser als Peter Wright da, denn der verhaute sogar dreizehn Darts zum Check. Stress pur, beiderseits. Verständlich, erklärbar, menschlich.

Natürlich war das eine extreme Ausnahmesituation, dennoch gab es während der 50 Legs beim Scoring eine vermeintlich hohe Anzahl von Würfen ohne Triple. Das zerrte an den Nerven, auch beim Publikum, das teilweise wie ausgeschaltet wirkte. Peter Wright sprach nach dem Match von einer ganz merkwürdigen Atmosphäre im Saal, die ihn durchaus irritiert hätte. Sein Wechselfieber hinsichtlich seiner Darts brachte er damit in unmittelbaren Zusammenhang - und wirke nicht wie eine Ausrede.

Nochmals 24 Maxima

Die schwachen Würfe schlugen sich auch beim Average nieder. Einerseits lag der beim Winner bei 98,34, andererseits bei 99,22. Allein daraus ergibt sich, dass im Umkehrschluss auch enorm gutes Darts demonstriert wurde. Michael Smith brillierte mit 24 Maxima und stellte damit den tags zuvor dokumentierten „Weltrekord“ seines Endspielgegners ein. Für Peter Wright wurden am gestrigen Abend 17 registriert. Letztgenannter scorte 42mal 140plus und 52mal 100plus. Sein Kontrahent markierte indes 35 beziehungsweise 48 solcher Würfe. Summa summarum punktete Peter Wright 111mal dreistellig, sein Gegenüber 107mal.

Hinsichtlich der Checkoutquote zeigte sich Michael Smith mit 35,4:31,1 Prozent überlegen, im Gegenzug checkte Peter Wright insgesamt viermal dreistellig, mit dem höchsten Wert von 148, der Engländer nur das eine Mal, allerdings mit 167. Zudem warf Michael Smith im gesamten Turnierverlauf 83mal 180. Neues Allzeit-Hoch.

Demontierter Michael Smith

Warum Peter Wright und nicht Michael Smith Weltmeister geworden ist, begründet sich in der Tatsache, dass Peter Wright im entscheidenden Moment, und zwar ab dem zehnten Set einfach, weltmeisterlich zulegen konnte. Sehr beeindruckend, wie er vor Kraft und Energie zu strotzen wusste und sein Ziel unbeirrt ansteuerte. Umso besser wurde, desto mehr zerbrach Michael Smith.

Am Ende des Tages tat einem Michael Smith insofern leid, weil er völlig zerstört war, weil sein Traum vom WM-Titel nicht in Erfüllung gegangen war. Sein erster Trostspender war Peter Wright himself. Auch das eine Demonstration von Größe. Peter Wright ist derzeit einfach der Beste.