Gabriel Clemens out, aber weltspitze

Für Gabriel Clemens kam gestern Abend im Achtelfinale das Aus. Knapp und hartumkämpft musste er sich dem Polen Krzysztof Ratajski 3:4 nach Sets beugen. Dass der „German Giant“ nach der Niederlage angefressen war, machte er deutlich. Aber weder direkt auf der Bühne, noch gegenüber seinem Konkurrenten. Die Gratulation zum Sieg kam ehrlich und sportlich herüber.

Was soll ich jetzt sagen ...

Im anschließenden Interview sagte er dann allerdings offenen und ehrlich: „Was soll ich jetzt sagen ...“, „Am besten gar nichts“ oder „Im Moment sind Interviews nicht gut“! Das war nicht despektierlich, aber es gibt Momente, in denen man sich lieber verkriecht, als vorgeführt zu werden. Darauf will aber in unserer medienschwangeren Zeit kein Sender verzichten, auch wenn es oft Murks ist.

Gute WM für Gabriel Clemens

Fakt ist, dass Clemens Gabriel eine gute WM gespielt hat. Er hat gezeigt, dass er gewinnen kann, dass er zu recht zu dem Top 32 gehört und dass er sich auf dem Wege in die absolute Weltrangliste befindet. Er hat dank seiner Performance viele Sympathien gewonnen, und es hat nun keiner das Recht, den Stab über ihn zu brechen. Dafür gibt es auch gar keinen Grund.

Kritik

Das heißt aber nicht, dass man keine Kritik üben darf. Der nicht so übermäßig bekannte Philosoph der Frühromantik, Friedrich Schlegel aus Jena, hatte hinsichtlich Kritik geäußert und sie auch so verstanden, dass nur das kritisiert werden kann, was einen Wert per se hat. Also, was schlecht ist, ist gar nicht kritikwürdig. Die Kritik ist im Sinne von Immanuel Kant schlicht eine Methode, um Erkenntnisse zu gewinnen. Heute heißt Kritik indes: Ich brate dir eins über!

Analyse des Spiels

Der 4:3-Viersatzsieg gliedert sich so: 2:3, 3:1, 2:3, 3:2, 2:3, 3:2, 2:3!
So haben sich beide Akteure je 17 Legs geschnappt.

95,58 : 92,05

Der Vergleich des Averages der Protagonisten ergibt einen Vorteil von 3,53 Punkten zu Gunsten von Krzysztof Ratajski, der im Schnitt 95,58 Punkte markierte, während Gabriel Clemens auf 92,05 kam. 68mal scorte der „German Giant“ dreistellig, 71mal der 44-jähtige Pole. Dafür gelang Gabriel Clemens neun Maxima, seinem Widersacher einer wenig. Auch bei den 140plus Scores lag der Deutsche um einen höher – 20:19.

Zu den Finishes: Über 100 highfinishte nur „The Polish Eagle" und zwar exakt einmal, als er 127 checkte. Das höchste Finish belief sich bei Gabriel Clemens auf 82. Die Checkquote der beiden war fast identisch: 30,91 bei Gabriel Clemens, 30,36 bei Krzysztof Ratajski.

11 hier, zwölf dort

Das kürzeste Leg der gesamten Partie war mit elf Darts Gabriel Clemens vorbehalten, für das längste der Begegnung benötigte Krzysztof Ratajski 22, der sein kürzestes mit 12 Darts notieren ließ, indes Gabriel Clemens für sein längstes 18 benötigte.

Gabriel Clemens brauchte für seine 17 gewonnenen Legs insgesamt 262 Darts, was durchschnittlich 15,41 Darts pro Leg entspricht. Bei Krzysztof Ratajski summierten sich die Darts auf 270, aus denen sich 15,88 im Schnitt ergeben.

Kaum Unterschiede

Die Unterschiede, die man herausfiltern kann, sind marginal. Einmal sind sehr leichte Vorteile für den einen, das andere Mal für den anderen zu erkennen. Mehr aber auch nicht! Der entscheidende Unterschied liegt den gewonnenen Sets als solchen: Auf der einen Seite vier, auf der anderen Seite drei, ergo das 4:3 Endergebnis! So hat Krzysztof Ratajski 57,14 und Gabriel Clemens 42,86 Prozent der sieben Sets gewonnen. Da ist augenscheinlich eine Differenz auszumachen.

Fehlwürfe

Diese lässt sich jedoch partout nicht aus den obigen Parametern erklären. Und alle wissen, dass das Match auch 4:3 für „Gaga“ hätte ausgehen können. Er hatte im letzten Leg sieben Matchdarts vergeben, sein Gegenüber sogar einen mehr - zuzüglich der zwei im Leg zuvor.

Dennoch lässt sich ein entscheidender Qualitätsunterschied entdecken, und zwar in der Anzahl der Fehlwürfe, das heißt, die Darts, die beim Scoren im 1-er, 3-er, 4-er, 5-er und 7-er Segment landen. Das ist Gabriel Clemens nicht weniger als 25mal passiert, Krzysztof Ratajski dagegen nur ein Dutzend Mal.

Körpersprache

Das führte auch zu Unterschieden in der Körpersprache, Clemens Gabriel schüttelte immer wieder den Kopf nach seinen Würfen. Was auf der einen Seite zu einem negativen Feedback gegenüber der eigenen Person führt, auch der anderen aber auch dem Gegner nicht verborgen bleibt. Das heißt das ewige Kopfschütteln, Hadern oder negative Verbalisierungen etc. holen nicht nur einen selbst herunter, sondern bauen zudem den Gegner auf. Diese Kritik ist im obigen Sinne berechtigt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger!