Wenn der Sport zur Nebensache wird ...

Gedanken über einen bisher einmaligen Darts-Abend in Deutschland: Cologne Darts Gala!

Ein Kracher: Michael van Gerwen
Stets im medialen Blickpinkt: Peter Wright
Köln hat zwei Höhepunkte; Den Kölner Dom und ...
... die Cologne Darts Gala
Und immer wieder Peter Wright, denn er hat die Haare schön
Daryl Gurney
Simon Whitlock
Michael van Gerwen besiegte mit 6:1 im Finale ...
... Peter Wright
Die ungehobelte Frage eines Jounalisten, warum er hier als Europa- und Weltmeister spielen würde, konterte Michael van Gerwen souverän mit: "Mein Auto ist kaputt!"
Wem es selbst in den Fingern kribbelte, war hier gut aufgehoben
Matchmaker Wolfgang Pütz

Prolog: Oftmals ist es besser, erst einmal darüber zu schlafen. Dann stellt sich dieser regenbogenbunte Panorama(über)blick ein. Zumal unsere unter zwangslosem Zwang geschriebene Reportage nicht den Anforderungen einer Berichterstattung, sondern denen eines Features, noch besser eines Essays genügen soll.

Das Fazit: Phantastisch! Großartig, einmalig, ausgezeichnet, fabelhaft! Damit ist fast alles, zumindest vieles, allerdings nicht alles gesagt. Darum: Am 30. Oktober ist es soweit gewesen, ...

... die „Cologne Darts Gala“ wurde nicht inszeniert, sondern inszenierte sich in der Deutzer Lanxess-Arena selbst. „Partystimmung“ und „Mega-Party“ waren die Schlüsselwörter der schreibenden Kölner Zunft am nächsten Morgen.

Ergebnisse oder Highlights wurden dabei jedoch teilweise zur Nebensache oder effektiv ignoriert.

In der Tat: Rund 8 000 Zuschauer jubelten, was das Zeugs hielt. So wie hier gefeiert wurde, das können nur Frohnaturen. Das Kölner Naturellement auf 180. Da hat Partystimmung ein Heimspiel. Panem et Circenses. Brot und Spiele! Neudeutsch: Bier und Alles, was Spaß macht.

Dart1.net hatte vier Seismographen in die Publikumsszene implantiert. Auf der Richterskala: Höher als 10! Heißt: Globale Katastrophe! Noch nie registriert! Häufigkeit: völlig unbekannt! Von allen vier Messstationen kam das gleiche Feedback: „Mega geil!“

Allesamt vier bekannte Dartsspieler. Nicht selbst am Board stehend, sondern das selbige als Zuschauer total im Fokus zu haben, führte in diesem Fall schnell zur Talfahrt des Kortisolpegels, zum Überlaufen des Oxytocin-Spiegels, das Adrenalin ignorierte im Höllentempo jegliches Tempolimit. Sie wissen wovon ich rede, Monsieur Mismudi auf jeden Fall: „Geil!“

Genug vorgespielt, kommen wir nun direkt zum G-Punkt: Auch wenn sich der Abend selbst inszenierte, hält letztendlich immer jemand die Fäden in der Hand. Hier hieß der Puppenspieler Wolfgang Pütz aus Troisdorf, VFS-Vorstandsmitglied und Förderer der DSAB Pütz-Liga. Er war in letzter Instanz für alles verantwortlich. Sekt oder Selters? Die Frage beantwortete sich selbst: Champagner!

Er hatte den Mut aufgebracht, den ganz großen Wurf zu wagen, und ist zu neuen Ufern aufgebrochen. 8 000 Zuschauer sind nicht nur eine Hausnummer. Ob es nun Deutschlands (Auf jeden Fall!) oder Europas größte Darts-Veranstaltung (Wahrscheins!) oder sogar der weltgrößte Darts-Event gewesen ist (Durchaus!), ist nicht ganz eindeutig, da verschwimmen die Konturen ein wenig. (Viel Höhenluft!)

Da es keiner so ganz genau weiß, will Wolfgang Pütz im nächsten Jahr eine eindeutige Antwort geben: „Wir peilen 2018 rund 15 000 Zuschauer an!“ Wie heißt noch einmal der Komparativ von mega? Ultra!?

Auf der Bühne agierten in der Lanxess-Arena vier handverlesene Profis. Der Weltmeister der PDC Michael van Gerwen aus den Niederlanden, der schottische Weltranglistenzweite Peter Wright, der Ranglisten-Vierte Daryl Gurney aus Nordirland und der Australier Simon Whitlock. Das ist absolut spitze, aber cosmopolitisch sieht anders aus.

Vor allem fehlt der German-Nucleus! Bei anderen Events, beispielsweise bei der Fußball-WM ist der Gastgeber per se mit von der Partie. Und nicht nur dort! Warum also nicht hier bei der Cologne Darts Gala? Und die Antwort heißt nicht: Max Hopp!

Und noch eins: Der Begriff Showkampf ist Krampf! Weg damit! Das heißt nicht, dass man die Show zu Grabe tragen, sondern den Sport einfach mehr beleben sollte. Cologne Darts Gala ist a priori ein standesgemäßer Titel. Den gilt es zu penetrieren. 

Paradiesvögel und Glamourgirls sind dabei ein probates Mittel und stellen im Sport durchaus eine Bereicherung dar. Wir erinnern uns: Extrovertierte Frauen wie Männer, gestern wie heute, haben immer wieder als absolute Top-Athleten Sportgeschichte geschrieben. Beispielsweise Andre Agassi, die ehemalige Nummer 1 im Tennis, Florence Griffith-Joyner, die nach wie vor schnellste Frau - mit den längsten Fingernägeln - der Welt, oder der Garbunische-Borussia Kicker Pierre-Emerick Emiliano François, wenn schon, denn schon, Aubameyang, der zudem noch einen französischen und spanischen Pass besitzt. Das nennt man cosmopolitan!

Sie alle wurden aufgrund ihrer außergewöhnlichen sportlichen Leistungen berühmt, bejubelt, gefeiert, respektiert. Ihr Look war unübersehbar, aber Nebensache. Insbesondere bei Florence Griffith-Joyner wurde er zur schönsten Nebensache der Welt.

Der rot-weiße Irokesenschnitt des Peter „Snakebite“ Wrights am 30. Oktober wurde schnell zum übergewichtigten Schwerpunkt. Zudem war es keine Hommage an die Kölner Fußballgilde, sondern reiner Zufall. „Ich hatte gar keine Ahnung, dass das die Kölner Farben sind!“, so Peter Wright sympathisch-ehrlich.

Nichtsdestotrotz hatte er sich so schnell ins Herz des Kölners Publikum und der Journalisten zudem gebissen. In der Berichterstattung der Kölner-Presse kam es sogar konsequent dazu, dass man sodann tatsächlich erst einmal viel über die bizarrsten Zuschauerfiguren erfuhr, noch mehr über den Paradiesvogel Peter Wright, bevor man in Kenntnis gesetzt wurde, dass der neue Europa- und amtierende Weltmeister Michael van Gerwen das „Showturnier“ gewonnen hatte. Finalergebnis Fehlanzeige, Finalgegner Fehlanzeige. Der 9-Darter von Peter Wright nicht erwähnenswert. Die Sprechchöre für den Publikumsliebling „Du hast die Haare schön“ dagegen sehr.

Will sagen: Darts erfreut sich in der Tat einer immer größeren Wahrnehmung durch die Öffentlichkeit, entscheidend dabei ist die mediale Aufmerksamkeit. „Agenda Setting“, das Inszenieren konkreter Themenschwerpunkte durch die Medien, ist dabei der Dreh- und Angelpunkt.

Aber auch die thematische Aufarbeitung kanalisiert. Dass „Nebenkriegsschauplätze“ das Sportliche dominieren, ist auch ein Gradmesser, wie weit sich Darts wirklich etablieren wird.

Die Monty Python-Nummer mit dem Papamobil (die Darts-Stars wurden entsprechend im Golfcart eingefahren) zählt auch dazu und wäre durchaus aufgegangen, wenn ihm wirklich John Cleese entstiegen wäre.

Ein Essay würde genau hier enden. Das ist ein Markenzeichen dieser schriftstellerischen Gattung. Hier nicht! Denn wir wollen nochmals betonen: Es war ein erlebnisreicher Abend. Ein sehr großer Darts-Abend. Summa cum laude! Und das steht über allem!

BM