Vier Tage Darts-Fest at its best

DM 2017 Die Analyse der Deutschen Meisterschaften sowie des Masters of Masters wurde in der Vergangenheit der Headline Nach(t)-Gedanken betitelt, weil die sonnnächtliche Ausdehnung einen adäquaten Rahmen für entsprechende Überlegungen freigab.

Lichtblick: Sabrina Schrimpf
Ü wiw Überflieger: Wolfgang Meyer
Neue Männer braucht das Darts-Land: Thomas Mehl
Stark: Silvia Dolores Moos
Super DM für Kai Gotthardt
Drei DMs - vier Titel: Holger Kurz
Drängt nach vorn: Ricardo Pietreczko
Neue Alternativen:Beispielsweise Carina Zelt
Superstar der Amateure: Robert Kollmorgen
Nicht zu vergessen: Marene Westermann ...
... und Stefan Stoyke, die zusammen auch den größten Wettbewerb dieser DM gewonnen haben, als im Deutschland-Cup Mixed 526 Damen und Herren zusammenkamen
Zog sein Ding voll durch: Folrian Walter
A must: Youngsters
Mit 210 Damen ein Super-Wettbewerb: Damen-Doppel Amateure
Mit 380 Startern bildere der Deutschland-Cup Herren den größten Einzelwettbewerb der DM 2017
Eine großartige DM

Das Prädikat Nachtgedanken ist mittlerweile sinnfrei geworden, denn 20:00 Uhr plus-minus einer halben Stunde als sportlicher Schlusspunkt haben mit Nachtgedanken nichts mehr gemein. So sind es nur noch schlicht Nachgedanken, die der viertägigen Darts-Veranstaltung von VFS/DSAB mit dem großartigen Support von Löwen Entertainment gebührend zustehen.

18. MoM und 31. DM

Vom 2. bis 5. November 2017 fanden auf dem Autohof Strohofer in Geiselwind einerseits das 18. Masters of Masters, andererseits die 31. Deutschen Meisterschaften mit achtzehn verschiedenen Disziplinen statt.

Von 4 227 ...

Dass am letzten Turniertag der DM bis in den frühen Montag hineingespielt worden ist, gehört - wie bereits betont - längst der Vergangenheit an. Bereits im Vorjahr neigte sich der Event um 20:33 Uhr zu Ende, obwohl man mit 4 227 Teilnahmen nicht nur einen neuen Rekord aufgestellt und die Vorjahresbestleistung um 4,19 Prozent hatte toppen, sondern erstmalig die Hürde von über 4 000 Teilnahmen hatte nehmen können.

... auf 4 457

Heuer kam es bereits um 19:29 Uhr zum großen sportlichen Kehraus, trotz einer nochmaligen Steigerungsrate bei den Teilnahmen von 5,44 Prozent. Die Gründe des rasanten Ablaufs und schnellen Endes der Mammutveranstaltung sind auf der einen Seite in der hervorragenden Turnierabwicklung unter Leitung des DSAB-Vorsitzenden Stefan Reichert zu finden, auf der anderen in der großen Bereitschaft der Akteure, sich den Umständen entsprechen vorbehaltlos anzupassen und sich in dieses methodisch-strategische Räderwerk einzufügen.

Das größte Turnierräderwerk Deutschlands

„Sonst würde gar nichts gehen“, lobte Stefan Reichert. Diese duale Einstellung ist Spiegelbild einer gut funktionierenden Partnerschaft. Die Spielerschaft versteht die Turnierleitung längst als Mentor, der in dem Gesamtgefüge der zahlreich parallellaufenden Mammutwettbewerbe optimale Bedingungen für alle schafft. „Wir sind stolz darauf, dass uns so viel Anerkennung gezollt worden ist, denn eine DM ist für uns erst dann eine gute, wenn die Teilnehmer zufrieden gewesen sind!“, führte Stefan Reichert weiter aus.

Neunmal Plus

In neun Disziplinen erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr die Anzahl der Teilnahmen, in einer blieb sie identisch und in sechs reduzierte sie sich. Alles in allem kam ein Plus von 230 Teilnahmen heraus, wobei 69 davon den zwei neuen Disziplinen geschuldet sind. Die höchsten Steigerungsraten worden in Wettbewerben erzielt, in denen Frauen mit von der Partie waren, das heißt, in allen Damen-Einzel- und -Doppeldisziplinen sowie in den beiden Mixed Wettbewerben. „Die Frauenpower tut dem gesamten Darts-Sport gut!“, merkt Bernd Molkenthin an, „weil hohe Frauenanteile eine Sportart stabil machen!“

Ü50 grenzenlos gut

Einen besonderen Glanzpunkt dieser DM bildete der erstmalig ausgetragene Ü50 Wettbewerb. Das Podium vereinigte schließlich 165 Jahre. Alle waren begeistert und hatten viel Spaß. „Dass ich es auf meine alten Darts-Tage noch geschafft habe, Deutscher Meister zu werden, ist schon ein Ding!“, so Wolfgang Meyer aus Leverkusen. Zum ersten Mal in seinem Leben ist ihm ein 170er Finish gelungen. „Weder im Training noch in der Liga hat es zuvor jemals geklappt!“, freute sich der erste Ü50-Meister in der Geschichte des DSAB. „Der Versuch, der älteren Darts-Generation eine neue Perspektive zu eröffnen, ist voll aufgegangen“, freute sich der Vater dieser Idee, Bernd Molkenthin.

U18 ausbaufähug

Nach langer Pause hat der VFS/DSAB auch wieder einen Jugend-Wettbewerb in sein DM-Programm aufgenommen, „um der Darts-Öffentlichkeit zu zeigen, dass wir dem Nachwuchs eine konkrete Basis bieten“, erläutert Stefan Reichert. So hat sich der Sieger Steven Crampton (Detmold) nachhaltig für die Europameisterschaften 2018 in Caorle empfohlen.

Aufholjagd

Die EDU (Europäische Darts Union) forciert schon seit Jahren die Wettbewerbe für die Youngsters. „Der DSAB, der seit Jahren die Nummer 1 bei den Europameisterschaften ist, will nun auch in diesem Sektor konkret angreifen!“, erklärt Bernd Molkenthin, „allerdings eine neue Herausforderung, die schwer genug sein wird, denn wir haben in diesem Bereich Nachholbedarf!“ Michael Hümpfner, 1. Vorsitzender des VFS kommentiert: „Wir unterstützen diese Entwicklung voll, denn der größte Dartsverband Europas muss sich auch in diesem Bereich beweisen. Wir wollen allen zeigen, dass wir hier ebenfalls kompetent sind!“

63 Podiumsakteure

63 verschiedene Akteure – 23 Damen und 40 Herren – wurden als Podiumsplayer 2017 ausgezeichnet. Im Vorjahr gelang 56 Akteuren in 16 Konkurrenzen der Sprung aufs Podium. Das heißt, dass sich der Trend einer hohen Verteilerkurve im Spitzenbereich weiterhin fortsetzt, was zudem unterstreicht, dass die DM alles andere als ein Highlight für eine ganz kleinen elitäre Spitze ist.

Der Erfolg aus der Tiefe

Michael Todtenhöfer (Moers) äußerte in diesem Zusammenhang: „Wir ganz guten Spieler, ohne wirklich zu den absoluten Topakteure zu zählen, sind natürlich besonders stolz, wenn es bei uns ’mal klappt!“ Und es klappte, denn der 22. der DSAB Masters-Rangliste 2017 sprang zusammen mit Daniela Vujovic (Essen), 53. der DSAB Damen-Rangliste 2017, im Mixed-Masters als Dritter aufs Podium.

Aller guten Dinge sind drei

Das Maximalmaß der persönlichen Ausbeute war bei der 31. Auflage der DM auf drei Podiumsplätze beschränkt, was sowohl der besten Deutschen Spielerin aller Zeiten, Marene Westermann (Reken), gelang als auch der Newcomerin Carina Zelt (Eslarn). Neben den beiden haben noch Silvia Dolores Moos (Wilnsdorf), Nico Kurz (Nidderau) und Stefan Stoyke (Barßel) dreimal zuschlagen können. So reicht die Palette der erfolgreichsten Akteure von Oldies bis Youngsters. Von den 22 verschiedenen Siegerinnen und Siegern dieses Jahres hatten sich bereits neun auf der Ehrentafel aller Titelträger in der 31jährigen Geschichte der Deutschen Meisterinnen eingraviert, während nicht weniger als dreizehn dieses Jahr hinzugekommen sind.

Survival of the Fittest

Der Kampf der Generationen ist vollends entbrannt, der sich insbesondere bei den beiden letzten Disziplinen am Sonntagabend noch einmal nachhaltig bemerkbar machte, als sowohl bei den Damen mit Sarah Brübach (Weißenthurm) als auch bei den Herren mit dem Nürnberger Ricardo Pietreczko zwei „Newcomer“ die begehrten Titel erjagen und viele des sportlichen Establishments erlegen konnten.

Marene Westermanns 26. Titelgewinn

Nichtsdestotrotz ergeben sich die Altvorderen nicht wehrlos. Bestes Beispiel ist Marene Westermann, die mit zwei weiteren Titeln und nunmehr insgesamt 26 Meisterschaften der Konkurrenz in der Ewigen Bestenliste der DM einen weiteren Schritt entrückt ist und die das Prädikat „beste DM-Spielerin aller Zeiten“ uneingeschränkt schmückt. Stefan Stoyke hat sein Meisterschaftskontingent von neun auf elf erhöht und ist damit auf Position fünf der ewigen Bestenliste hinter Marene Westermann, Alexander Köhler (Würzburg) und Manfred Bilderl (Ahlen) geklettert. Seinen fünften Rang teilt sich Stefan Stoyke mit der Frankfurterin Bianca Strauch.

Robert Kollmorgen nord-nord-spitze

Zum Superstar der Amateure schwang sich indes der Lübecker Robert Kollmorgen auf, der zwei Wettbewerbe für sich entscheiden konnte. In diesem Kontext muss auch erwähnt werden, dass der Amateur Ranglisten Gewinner, Jens Kniest (Neunkirchen/Saar), im 128er Feld Rang neun belegen und damit das beste Ergebnis eines Amateurspielers schlechthin erzielen konnte.

Bis heute 2 202 Podiumsplätze

Mit der 31. Auflage der Deutschen Meisterschaften hat sich die Anzahl der vergebenen Titel auf 512 erhöht. Aufgrund der Doppel- und Triple-Wettbewerbe sind bisher 734 Siegerinnen und Sieger sowie insgesamt 2 202 Akteure auf dem Podium gekürt worden. Effektiv sind mittlerweile 421 verschiedene Spielerinnen und Spieler zu Meisterehern gekommen. Acht von ihnen haben zehn oder mehr Titel gewonnen, 299 Akteure dagegen einen.

Eine einzige Titelverteidigung

Dem Duo Ramona Berger (Wenden-Gerling) und Silvia Dolores Moos gelang die einzige erfolgreiche Titelverteidigung, und zwar im Damen-Doppel Masters. Die beiden plus Stefan Stoyke und Nico Kurz bildeten das Erfolgsquartett, das sowohl im Vorjahr als auch dieses Mal ganz oben auf dem Podium stand. Insgesamt vierzehn Akteure angefangen von den eben genannten vier über Jana Bormann (Georgsmarienhütte), Michaela Mc Clain (Bad Kreuznach), Maria Schneider (Köln), Sabrina Schrimpf (Alsdorf) und Marene Westermann bis hin zu Gabriel Clemens (Saarwellingen), Thomas Ehlers (Gießen), Marcel Höntsch (Geiselhöring) und Peter Scherbauer (Trostberg) konnten sich 2016 und 2017 einen Podiumsplatz sichern.

Im Gegensatz ...

... dazu sprangen mit Katharina Brinkmann (Bedburg-Hau), Sarah Brübach, Sandra Büttner (Alitzheim), Kathleen Freitag (Mecklenburg), Angelika Galatovic (München), Kathrin Hinze (Lübeck), Silke Klingler (Wuppertal), Carina Knödelseder (Untergriesbach), Angelina Lorfei (Florstadt), Stefanie Lück (Dietzenbach), Gina-Lia Reding (Hungen), Anita Sarac (Köln), Julia Wagner-Seifarth (Peiting), Danielle Stolle (Berlin), Daniela Vujovic und Carina Zelt sowie Max Bär (Schwarzenbach), Kevin Constantini (Eschweiler), Steven Crampton, Mario Curschmann (Guldental), Andreas Demkanin (Kleinlangheim), Raphael Dziadek (Hainburg), Michael Döppling (Rochlitz), Kai Gotthardt (Heilbronn), Markus Holland (Wiesbaden), Sascha Holstinski (Darmstadt), Mike Holtz (Hamburg), Dragutin Horvat (Kassel), Sven Hülskopf (Bad Schwartau), Jens Kniest, Robert Kollmorgen, Kurt Kronschnabl (Regen), Patrick Lehnert (Essen), Thomas Luksch (Schierling), Thomas Mehl (Gütersloh), Wolfgang Meyer, Ricardo Pietreczko, Florian Renz (Rottenburg), Tobias Rossner (Bensheim), Franz Rötzsch (Wörishofen), Danny Saro (Berlin), Sascha Schneider (Litzendorf), Suad Seovic (Giengen), Michael Sommerfeld (Bergheim), Bruno Stöckli (Trostberg), Matthias Todtenhöfer, Mark Wahl (Heidenheim), Florian Walter (Schifferstadt)und Norbert Ziegler (Altmannstein) nicht weniger als 50 weitere Akteure aktuell aufs Podium, denen dies im Vorjahr untersagt blieb.

Große Breitenentwicklung und Spitzenstagnation

Prägnant auffällig ist gewesen, dass sich das Spielniveau generell weiterentwickelt hat. Die große Masse spielt einfach besser als vor Jahren. Beträchtlich besser! Großes Kompliment. Das gilt allerdings nicht für die absolute Oberklasse. Ein Großteil der Spitzenakteure, die im Bereich Nationalteam agieren, hat nicht zulegen können, vielmehr ist hier Stagnation und sogar Rückläufigkeit zu beobachten. Insbesondere dann, wenn sich die Wettbewerbe dem Ende näherten, vor allem in den Finalspielen selbst ist von internationaler Klasse wenig zu beobachten gewesen. In diesem Zusammenhang passen auch die Äußerungen von Raymond von Barneveldt anlässlich einer Pressekonferenz in Bonn, der darüber resümierte, dass der deutsche Spieler schlechthin schnell mit sich selbst zufrieden sei und nicht bedingungslos um seine Weiterentwicklung kämpfe.