Simply the Best

Die erfolgreichste deutsche Darts-Karriere begann – aufgepasst: In Budapest! Ungarns Hauptstadt. Der Name Budapest entstand durch die Zusammenlegung der beiden Städte Buda (westlich) und Pest (östlich) des schönen, blauen Flusses, benannt Donau. Und jetzt alle: „Einst ging ich am Ufer der Donau und fand, ein schlafendes Mädchen in weißem Gewand, ...!" Nanu, nana! An der Donau machen wir die deutsche Darts-Karriere fest. Deswegen zunächst etwas Geographie, damit Sie die wahren Dimensionen erfassen, um die es hier geht.

Marene Westermann
Marene Westermann des letzten Jahrhunderts
"Hallo, BM!"
Erster WM-Titel
dito
Früh übte sich die Meisterin
Jüngster DM-Titel im Damen-Doppel mit Frau Schneider
Beste EDU-Spielerin aller Zeiten
Sie reitet für Deutschland
In ihrer Freizeit reitet sie gerne einmal aus
Zwei, die sich richtig mögen
Marene Westermann und ihr Nachwuchs
Ohne Worte: 28 DM-Titel für Marene Westermann
Marene Westermann at her best
Simply the Best

Die schöne, blaue Donau

Die Donau fließt seit jeher von West nach Ost.
Die Donau entspringt dem Zusammenfluss zweier Flüße im Schwarwald, nämlich „Brigach und Breg bringen die Donau zuweg“.
Die Donau schlängelt sich sodann nebst Deutschland durch Österreich, Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Rumänien, Bulgarien, Moldawien und die Ukraine. Sie mündet bei Sulina im Schwazen Meer.

Pest-Buda

Und auch noch das: Früher hieß die Stadt Pest-Buda. Wer hätte das gedacht?! Ich nicht und bin echt froh, dass mir dies eine gewisse Frau Racz zugeflüstert hat. Zugegeben: Flüstern ist nicht ihre wahre Stärke. Aber genau um diese geht es. Nicht um die Laustärke als solche, sondern um eben diese Frau Racz. Schlechthin!

Mit der Lizenz zum Checken. War Bond - James Bond - eigentlich irgendwann einmal in Budapest? Wie komme ich jetzt wieder darauf? Egal, vielleicht weil der Film „Evita“ über das Leben von Eva Perón mit Madonna in der Hauptrolle gar nicht in Argentiniens Haupzstadt, sprich Buenos Aires, sondern in Budapest gedreht worden ist?! Jetzt sind Sie platt?! James war platt, dito!

Geboren am 12. August (vor nicht all zu langer Zeit) ... ich muss ein paar Pluspukte sammeln ... in Schkeuditz, also mehr oder weniger am Flughafen von Leipzig, von dem ich glücklicherweise genauso oft in die Lüfte gehoben worden wie ich dort zuvor gelandet bin. Das Essenzielle folgt, denn wer hätte das gedacht: Ossi!

Go East, not West

Go East – ausgewandert mit acht Jahren nach Budapest. Absolute Verbesserung. An der schönen, blauen Donau ist es weitaus schöner. Bisschen Schule, bisschen Freizeit, bisschen Cafés und Bistros. Bisschen Darts. Oh das magische Wort! Erste Versuche, bisschen daneben (total untertrieben).

Bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt fanden die Pfeile nämlich nicht so richtig ins Ziel, transzendierten eher, wie manch böse Zungen behaupten, ins Nirwana. Es flog ein Pfeil nach nirgendwo! Peinlich! Also: Üben! Üben, üben, üben! Mit Erfolg. Denn, als Marene Racz mit der Vollendung der zweiten Dekade ihres Erdenlebens vollauf beschäftigt war, fiel ihr Talent bei einem Team-Wettbewerb auf. Jenes war auch schwer zu übersehen. Jene Begabung. 

Profi? Professionell!

Folge? „Ich bekam einen Zweijahresvertrag unter der Schirmherrschaft der Firma Play-System, die Automaten in der Gastronomie aufstellte!“, so jene Racz - Marene Racz. Gesucht und gefunden wurden fünf Mädchen und fünf Jungen. Ziel: Gute Darts-Spieler*innen werden! „Das hat auch ausnahmslos geklappt, bei allen“, weiß sie zu berichten.

Anmerkung: In solchen Sachen war uns der Osten einfach überlegen! Insbesondere im Sport. Im ehemaligen Arbeiter- und Bauernstaat sozialistischer Prägung, zumindes das, was die Vordenker in Moskau darunter verstanden, gab es viel weniger als bei uns eine Zweiklassengesellschaft, die in Männer first und dann irgendwo, irgendwie, irgendwann Frauen unterteilt gewesen war.

Dass als Profispielerin zu werten, wäre nicht richtig. Ganz und gar nicht. Aber es war professionell! 

Training ...

Von Sommer 1999 bis 2001 war so Marene Racz mit Darts beschäftigt. Was hieß das konkret? „Fünf Tage die Woche. Antreten um 8:00 Uhr, Abtreten um 16:00 Uhr!“ Achtstundentag! Und in diesen paar Stündchen wurden eben Pfeile geworfen. Immer wieder, erbarmungslos. Von ein paar flotten Liegestützen, wenn die Leistungen an den Dartsgeräten nicht stimmten, kreativ unterbrochen.

Was stimmte und was nicht, entschied nur einer: Der Trainer! Das waren noch Zeiten. Typisch osteuropäische Schule, die aber auch von einigen westlichen Sportbetreuern bis heute präferiert wird. Vor allem in Südostasien. Das Prinzip Strafe wurde Mittel zum Zweck! Davon ist man heute weit weg. (Lassen Sie sich diesen Paarreim noch einmal in Ihrer Ohrmuschel zergehen: Zweck - weg!)

... Training ...

„Die Trainingsinhalte wurden tagtäglich durch eindeutige Aufgaben bestimmt.“ Beispiel: Werfe 100 Pfeile auf das 20-er Segment. Treffe es möglichst oft. Triffst Du es weniger als 95 Mal, rücke vor bis auf Los, beginne von vorne, vergiss nicht, Deine Ereigniskarte zu ziehen und gleich einzulösen: „Liegestütze!“ Bis Dir die Birne platzt.

Solche Trainingsinhalte kann man natürlich bestens variieren. Man wirft statt auf die 20, auf die 19. Frau/man wirft nicht einhundertmal, sondern zweihundertmal, dreihundert-, fünfhundertmal. Ein tausendmal! Man erhöht die Trefferquote von 95 auf 96, 97, 98, 99 und 100 Prozent. Das nennt man in der Trainingswissenschaft locker Grundlagentraining.

Das Fundament muss stimmen

Zugegeben eine sehr bedeutsame Trainingsmethode, die die fundamentale Basis für Hochleistungen bildet. No doubt about it! Insbesondere bei Anfängern, aber auch im Hochleistungsbereich. Zugegeben, dass dies viele Spieler*innen nicht wissen und dies leider auch nicht machen.

Das Einzige, was nicht sein muss, ist der Drill von außen, denn die Ausbildung von Grundlagenfähigkeiten stellen schon größte Anforderungen an die Selbstdisziplin. Denn der inneren Schweinehund ist stark und muss immer wieder aufs Neue überwunden werden. Immer wieder und wieder und wieder. Immer wieder! Da sind beim Coach viel eher Motivationskünste gefragt als ein Strafkatalog.

... Training

Aus Marene Racz, aus der auf Umwegen mittlerweile Marene Westermann geworden ist, erinnert sich, als ob es vor gut zwanzig Jahren gewesen sei: „Gegeneinander haben wir dabei nie gespielt, also 501 D.O., dass durften nur die, mit denen der Trainer am Ende des Trainingstages zufrieden war. Die spielten dann ein Match best of seven.“ Belohnung muss sein! Die anderen pumpten, bis der Tri- zum Quattrozeps mutierte.

Sie kennen Schattenboxen! Sie kennen Schattendarts? Viel Spaß. Das kann man bis zum Erbrechen exerzieren. Frau auch! Fragen Sie Marene Westermann, wieviel Spaß das macht? Jubel, Trubel, Heiterkeit, frag' nicht!   

Eight Daya a Week

Die Woche hat bekanntlich jedoch nicht nur fünf, sondern sieben Tage. Oder? „Klar, am Wochenende haben wir dann Turniere gespielt!“ Das sieht nach Leistungssport aus. Ganz unabhängig davon, ob man die Ansteuerungsmaßnahmen zur Leistungsoptimierung sowie das methodisch-didaktische Vorgehen gutheißt, hat es zum Erfolg geführt.

Ihre Favorits

Man kann Marene Westermann wie jedem anderen auch, sicherlich das eine oder andere vorhalten, aber eins auf gar keinen Fall, dass sie nicht erfolgreich gewesen ist. Will sagen, es gibt keine deutsche Spielerin und auch keinen deutschen Spieler, die beziehungsweise der an dieses Leistungsplateau, das Marene Westermann über all die Jahre ihrer Laufbahn aufgebaut hat, auch nur annähernd herankommt. Gipfelstürmerin eben, die Frau Westermann.

Erstens ...

Sie selbst ist von sich sportlich am meisten von drei Dingen beeindruckt. Erstens: Ihre ersten Weltmeisterschaften, in diesem Fall auf der Compumatic Schiene, in Lloret de Mar (Spanien) 1999. „Mein erster großer internationaler Auftritt, und ich habe von fünf Disziplinen drei für mich entscheiden können. Das werde ich nie vergessen, das ist ganz tief in mir verankert!“ So ist es mit dem ersten Mal.

... Zweitens ...

Zweitens? „Der Sieg beim WDF-Turnier in Dortmund und die damit verbundene Qualifikation zu den Embassy-Weltmeisterschaften. Leider habe ich dort nicht so gut abgeschnitten. Hatte wohl meine Lizenz zum Checken vergessen!“

... Drittens


Und aller guten Dinge sind bekanntlich drei – was kommt jetzt noch? „Meine persönliche Erfolgsbilanz bei der EDU, also den Europa- und Weltmeisterschaften der Europäischen Dart Union!“ In ihrer ganzen Länge und Breite? Logo!

Marene Westermann at her best

Das hört sich gut an. Aus der Sicht des DSAB hat die Länge der internationalen Performance von Marene Westermann bei der EDU 2008 angefangen, und die Breite hat sich zusehends ausgeweitet. Das Ende noch nicht definitiv definiert. Aber jetzt schon nahezu über-, aber mindestens megadimensional. In der kürzesten aller Formeln liest sich das so: 48 Podiumsplätze – 21 Titel, 19-mal Runner-up und achtmal Dritte! Das ist einmalig! Hinzu kommt noch etwas Worldcup in Las Vegas mit acht Podiumsplatzierungen: Fünfmal Winner, dreimal Runner-up. Here we go!

Das Gütesiegel „The very best“ passt Marene Westermann auch beim Masters of Masters-Wettbewerb wie maßgeschneidert. Fünfmal wurde ihr der Oscar des deutschen Dartsports überreicht. Zudem wurde sie drei weitere Male auf dem Siegertreppchen belobigt: Einmal als Zweite, zweimal als Dritte!

28 DM-, 7 DLMM-Titel

DLMM-Titel dürfen in dieser Sammlung natürlich nicht fehlen. Tun sie auch nicht. Mit den beiden Teams Tupperparty (einmal) sowie Bull Eye Fighters (sechsmal) gewann sie sieben Mal in Geiselwind. Die Titelansammlung bei den Deutschen Meisterschaften sprengt nahezu den Rahmen des „Zumutbaren“. Als 28-malige nationale Titelträgerin ist sie die allerbeste, auch genderneutral. 2006 und 2008 ging sie als Prima im 64er Feld hervor. Die DSAB Damen-Einzel Rangliste entschied sie 2007 und 2009 für sich.

Und last but not least gewann sie den Major Cup Award 2019 und fuhr von Geiselwind mit einem Ford fort. Das war ihr bisher letzter Coup und hatte etwas vom großen Rumble in the Jungle am 30. Oktober im Jahre 1974 zwischen Muhammad Ali und George Foreman, als Muhammad Ali nach seiner fünfjährigen Zwangspause den körperlich weitaus stärkeren und wesentlich jüngeren, voll im Futter stehenden George Forman in der achten Runde K.o. schlug. Übrigens ein ästhetisch vollendeter K.o. – kein Nachschlagen!

Simply the Best

Muhammad Alis Vorteil damals: Er war auf die Sekunde, bei all seinen Sperenzchen, voll konzentriert. Es war ein absoluter Kopf-Sieg. Ähnlichkeiten mit Marene Westermann am besagten vierten Tag der DM/MoM 2019 in Geiselwind am 7. November sind nicht zufällig. Inklusiver großer Klappe. Ihren ersten Sieg in diesem Wettbewerb konnte man in ganz Geiselwind akustisch wahrnehmen. Und Sperenzchen am Rande gab es gratis! Aber voll motiviert, konzentriert und fokussiert zeichnete sie sich nochmals als Beste in einer großen Competition aus.

Für ihr Lebenswerk Darts wurde sie 2011 belobigt.

Was gibt es noch? „Es geht nicht mehr unbedingt darum, noch weitere Titel zu sammeln. Nichtsdestotrotz werde ich in der Champions League und im Nationalteam, wenn ich denn nominiert werde, mein Bestes geben, insbesondere bei den Team-Wettbewerben. Mein großes Augenmerk liegt aber auf der Jugend. Dafür möchte ich mich zukünftig starkmachen, mit neuen Ideen, Sichtung, Recruiting (habe ich so nie gesagt, BM, der Besserwisser, meinte aber, so laute der Fachausdruck – ohne Kommentar von wegen großer Klappe und so), Coaching – ja, das würde mir Spaß machen.

Und es hat ja auch in dieser Beziehung schon ganz gut (Off-Voice: „Völlig untertrieben! Aber das mit der großen Klappe nehmen Sie sofort zurück!“) begonnen, als das U18 Team im letzten Jahr in Caorle Europameister geworden ist“, so das schmächtige Schwergewicht. Superschwergewicht!

Alles fließt

Zurück zur Ausgangslage. Die Donau fließt seit jeher von West nach Ost. Dartsmäßig kommt Marene Westermann indes von Ost nach West daher. Die Donau durchfließt zehn Länder, darüber kann Marene Westermann dartsmäßig nur lachen. Wo sie sich überall in der großen, weiten Darts-Welt herungetrieben hat, möchten Sie gar nicht wissen.

Natürlich besingen viele Titel die Donau, aber so viele Titel wie Marene Westermann gesammelt hat, gibt es über den  schönen, blauen Fluß gar nicht. Noch bezugnehmend auf Mündung, Marene Westermann ist noch immer im Fluß. Schön sind sie beide, blau nur die Donau (Punkte über Punkte)! Ich hoffe, ich bringe da nichts durcheinander! 

Lange Rede, kurzer Sinn: Simply the Best!