ran Darts: Rob Cross macht alle platt

Die Weltmeisterschaft der PDC hat sich über neunzehn Tage hingezogen und endete mit einem krachenden Neujahrsböller: Der neue Titelträger heißt Rob Cross! What a surprise! Phil Taylor’s Wonderland came to an end.

Michael van Gerwen belegte Rang drei. Nicht schlecht! Aber zu wenig für jemanden, der ausdrücklich behauptet, er sei besser als der Rest. Der Rest sind alle!
Peter Wright endete auf Rang 17 ...
... wie auch Kevin Münch ...
... oder Simon Whitlock ...
... oder auch Daryl Gurney
Phil Taylor tritt als Runner-up ab

Indeed, wer hätte das am ersten Tag der WM gedacht? Nicht nur das: Der neue Titelträger besiegte im Finale den erfolgreichsten Darts-Profi aller Zeiten. Ein englisches Derby zudem, dabei hatte ich doch erst kürzlich einen Artikel gelesen, der die Übermacht der Niederländer „erklärte“!

Zurück zu den Fakten: Mit 7:2 hat Rob Cross sein Idol Phil Taylor bezwungen. Eindeutig! Er hat Phil Taylor allerdings nicht deklassiert, wie man teilweise sowohl der nationalen als auch internationalen Presse entnehmen kann, sondern seine eigene Klasse unter Beweis gestellt. Das ist ein großer, sehr großer Unterschied, was den neuen Weltmeister gleich zu einem wahren Champion macht. Rob Cross scorte im Schnitt 107,7, Phil Taylor 102,3. Der neue Weltmeister gefiel mit einer Checkquote von 60,0, der alte mit einer von 45,5 Prozent!

Was sagen uns die Werte dieser WM? In der absoluten Weltklasse müssen die Averages dreistellig ausfallen. Die Checkquote wird sich eher über kurz als lang bei 50 plus einpendeln. Wer sich das nicht zutraut, sollte lieber nicht anfangen, von einem WM-Podiumsplatz oder sogar vom Gewinn des Weltmeistertitels zu träumen. Das ist die Realität!

Der ehemalige Elektriker Rob Cross stand bei dieser WM voll unter Strom. Im positiven Sinne! Man hatte nie den Eindruck, dass ihm jemand wirklich den Stecker herausziehen würde. Er alphatierte unbeeindruckt. Er ließ nie das Gefühl aufkommen, dass er sich vor irgendetwas und insbesondere vor irgendjemand fürchten würde. Nur so wird man Weltmeister! Ohne Frage!

Einerseits, anderseits ist man dann noch lange nicht der weltbeste Player. Das wird sich alles erst noch zeigen. Allerdings scheint er dafür erstens, gewappnet zu sein, zweitens wird ihn dies momentan gar nicht beschäftigen. Mit Recht wird er sich mit nur einer Tatsache von morgens bis abends widmen, nämlich, dass er PDC-Weltmeister ist! Nicht der schlechteste Job.

Das haben vor ihm lediglich Phil Taylor, der allerdings nicht weniger als vierzehn Mal, ferner Gary Anderson, Michael van Gerwen, Adrian Lewis und John Part je zweimal sowie Raymond van Barneveld und Dennis Priestley je einmal geschafft. Ein sehr kleiner, erlauchter Zirkel, den nun Rob Cross auf acht erweitert hat!

Und Phil Taylor? Chapeau! Er stand nochmals im Endspiel. Respekt! Auch wenn viele Phil Taylor diesen WM-Titel gegönnt hatten, also jenem, der über Jahrzehnte als hausgemachter „Kotzbrocken“ galt und den jetzt alle so lieb haben, war sein momentanes Pech gleichsam Glück für den Darts-Sport schlechthin. Denn so hat sich ein Generationswechsel par excellence vollzogen. Öffentlich, auf der Bühne, in einem direkten Duell!

Auf der einen Seite der mehr als doppelt so alte Phil Taylor, der sechzehnfache Weltmeister (vierzehnmal bei der PDC, zweimal bei der BDO), die Darts-Legende schlechthin, auf der anderen ein Rookie, ein Newcomer, ein WM-Debütant, der zum ersten Mal Weltmeister geworden ist.

Furchtlos und verwegen, ein Typ, der die Herausforderungen annimmt, wie sie fallen. Das macht Siegertypen aus. Sein Titelgewinn kam zudem nicht von Ungefähr. Er hatte im Halbfinale den designierten Weltmeister Michael von Gerwen aus dem Ally Pally verjagt. Er hat eben nichts ausgelassen.

Bereits heute beschäftigten sich selbst die Provinzblätter mit dem Sieg von Rob Cross über Phil Taylor. So auch das „Darmstädter Echo“, das sich dabei auf die dpa (Deutsche Presse Agentur) beruft. Zwar steht der diesbezügliche Artikel unter dem Bericht über die Vierschanzentournee im Skispringen, aber immerhin auf der ersten Sportseite. Nicht schlecht fürs Pfeilewerfen.

Auch wenn zugegebener Maßen am Neujahrstag nicht so viele Sport-Highlights auf dem Programm gestanden haben. Die Fußballbundesliga hält Winterschlaf. Im Gegensatz dazu „verkloppt“ der FC Liverpool am Neujahrstag FC Burnley in der englischen Premier League 2:1. Will sagen, wenn die arbeitende Bevölkerung auf der Insel frei hat, müssen die Profis im Fußball ran. Das ist Fairplay. Das schafft Bande.

So eben auch die Darts-Spieler. Image: Ich bin einer von Euch! Deswegen ist das Ally Pally auch ein idealer Fairground, ein Palast fürs Volk, der Darts als Volk(e)sport präsentiert und befeuert. Man rüttelt zwar an seinen Säulen, aber eingedenkt der Weisheit, dass weniger oftmals mehr ist, sollte man an fundierten Grundsätzen nicht rütteln, sondern diese zum Gesetz erheben.

Und weil wir schon einmal dabei sind und es alle herausposaunen: Darts ist Kopfsache! Ja schon, aber wer bestimmte Grundlagen, die nur mit viel Training erzielt werden können, nicht hat, braucht sich auch kein Kopf zu machen. Erst kommt quälen, dann Qualität.

„Alles wird gut!“, das ist die Botschaft, die der Neurotransmitter Serotonin vermittelt. Das ist bei jedem Menschenkind so. Vereinfacht: Bei Höchstleistungen tritt dieser Botenstoff in den Hintergrund, das heißt, er verkrümelt sich in die Zellen. Adrenalin übernimmt die Herrschaft. Macht Sinn, wenn man kämpfen muss, insbesondere auch gegen sich selbst.

Irgendwie, irgendwann, irgendwo fragt man sich deshalb im Angesicht des überdimensionierten WM Darts-Boards im TV, ob nicht hier oder dort, das eine oder andere Serotonin-Monster sein Wesen treibt.

PS: Wie haben kein Bild von Rob Cross im Dart1.net Bildarchiv

PS: Wie geht es weiter? So - ganz authentisch ...