MHGT: Ein 3-Sterne Dartsevent

Das Michael Hümpfner Gedächnis Turnier spiegelte einen interessanten und überwiegend spannenden Dartswettbewerb wider, bei dem links und rechts überholt wurde, der durch zahlreiche Positionkämpfe bis zum effektiven Ende für extrem viel Spannung sorgte, der sich nie, auch nicht an kleinen, Komplikationen rieb.

Das Spitzentrio der 3. Etappe
Oliver Anlitz - Bester der Mayer-Liga
Marco Misof und Dennis Beilfuss
Tim Oberfrank bester Youngster
Helmut Schneller - Löwen Entertainemt
Selin Kurouglu
Michaela Mc Clain, Julia Gotthardt, Selin Kurouglu, Ramona Berger-Gebauer und Marene Westermann
Die Matchmaker: DSAB, Löwen Entertainemt und VFS - vertreten durch Stefan Reichert, Helmut Schneller und Horst Gimpel
Andreas Winterling, Daniel Klose und Andrew Beeton
Sascha Ruloffs, Patrick Plötz und Christian Reiter
Helmut Schneller und das neue HB 10 vor laufender Kamera
Das Podium des Gesamtklassements: Sascha Schneider, Lukas Wenig und Steven Noster

Lukas Wenig, Sascha Schneider, Steven Noster

„So wie es sich wohl Michael Hümpfner als großer Dartsfan gewünscht hätte“, wie Helmut Schneller von Löwen Entertainement bei der Eröffnung gehofft hatte. Als überragender Athlet des MHGT präsentierte sich der Sieger Lukas Wenig, allerdings wusste nicht nur er zu überzeugen, sondern auch die beiden anderen Podiumsspieler Sascha Schneider und Steven Noster hatten Sehenswertes geleistet. Aber nicht nur sie beeindruckten, sondern außerdem noch eine große Anzahl weiterer Akteure. In diesem Zusammenhang verdienten sich die beiden besten Damen, Marene Westermann und Selin Kurouglu, die in der Endabrechnung nur durch einen einzigen Punkt getrennt wurden, wie auch der erst 16-jährige Youngster Tim Oberfalk als bester Jugendspieler.

Vorneweg

Es gab viele spannende, auch hochklassige Matches, bei den drei Finals der jeweiligen Etappen war davon leider nur bedingt etwas zu sehen. Das galt zu gleichen Teilen ebenfalls für die Lucky Loser Competitions. Wie sagte einer der Finalisten treffend: „Ich war so gut drauf, aber im Endspiel war alles weg.“ Ein Anderer: „Ich habe im Finale nicht mein bestes Darts gezeigt, aber gefühlt, war es mein einfachster Sieg.“ Das ist die Crux, wenn es um „alles“ geht, denn nicht nur der Torwart hat Angst vorm Elfmeter, sondern der Schütze nicht minder.

1. Etappe: Lukas Wenig holt 45 Punkte


Bei der ersten Begegnung ums Finale auf der 1. Etappe im 501 D.O. standen sich Patrick Plötz und Luka Wenig gegenüber. 1:0, 1:1, 2:1, 3:1 und 4:1 dominierte Lukas Wenig die Partie, spielte 15, 16, 20 und nochmals 20 Darts. Im ersten Leg finishte er 84, scorte sieben Mal dreistellig: 1x180, 1x140, 1x137, 1x134, 1x125 und zweimal 100. Patrick Plötz entschied indes das zweite Leg zu seinen Gunsten, nachdem er in Runde fünf gebusted hatte, mit 17 Darts. Er scorte achtmal dreistellig: 2x180, 3x140 und 3x100.

Patrick Plötz vs. Steven Noster

Beim zweiten Sturm aufs Finale traf Patrick Plötz auf Steven Noster. Kurzes Intermezzo, das Patrick Plötz mit 16 und 25 Darts für sich entschied. Der Jung-Nationalspieler scorte einmal 140 und dreimal 100. Im zweiten Leg besaß er 18 Darts auf der Hand. Steven Noster kam nicht richtig ins Spiel, obwohl auch er einmal 140 und zweimal 100 aufblitzen ließ. Im ersten Leg verpasste er ein 117er Finish.

Lukas Wenig auf der Bühne in der Hauptrolle

Das Endspiel zwischen Lukas Wenig und Patrick Plötz verlief letztendlich ähnlich wie ihr gemeinsames Spiel ums Finale – am Ende stand es 4:1 für den Erstgenannten. Spielverlauf: 3:0, 3:1 und 4:1. Lukas Wenig scorte 180, 134 für Rest 24 sowie fünfmal 100 und benötigte 18, 18, 18 und 17 Darts. Sein Widersacher blieb achtmal über 100: 2x140, 5x100 sowie 120, als er ein 160er Finish verpasste.

2. Etappe: Lukas Wenig gewinnt nochmals - 90 Punkte


Auf der 2. Etappe waren Qualitäten im 301 M.O. gefragt. Beim Spiel ums Finale auf der Gewinnerseite hießen die Protagonisten Patrick Obermanns und abermals Lukas Wenig. Mit 10, 10, 13 und 16 Pfeilen sammelte Lukas Wenig seine Punkte konsequent ein. Mit 8 Darts vermochte Patrick Obermanns zwar zum 1:1 auszugleichen, aber das war’s dann auch.

Mike Holz vs. Patrick Obermanns

Die adäquate Begegnung auf der Verliererseite entschied Mike Holz mit 2:0 über Patrick Obermanns und benötigte dafür lediglich zweimal 9 Darts. Er punktete einmal 180, einmal 125 und finishte mit 93 und 85. Patrick Obermanns wartete mit 180 im zweiten Leg auf, bustedte aber in Runde drei.

Mike Holz vs. Lukas Wenig

Als es um den zweiten Etappensieg ging, vermochte Mike Holz nicht mehr die gleiche Pace aufzunehmen wie im Match zuvor, deshalb entwickelte sich dieses Duell einseitig, und zwar absolut mit Vorteilen für Lukas Wenig: 9, 15, 14 und 15 Darts! Der Drops war gelutscht. Im dritten Turn benötigte Lukas Wenig vier Legdarts, im letzten scorte er 102 für Rest 40, brauchte drei Darts für den Check.

Großer Spannungsbogen

Erstaunlich war, wie schnell die Akteure den Modus dieses Wettbewerbs verinnerlicht und daran ihren Spaß hatten. Die Frage nach dem Punktestand in eigener Sache war obligatorisch, eben und schließlich Sportlerinnen und Sportler, und diente eher einer Überprüfung, denn die Antwort fiel meist so aus: „Soviel Punkte hatte ich selbst im Kopf!“ Dann folgte natürlich die Frage ins Blaue: „Wievielter werde ich damit schließlich sein?“ Schulterzucken und: „Wir können Dir nur deinen aktuellen Stand sagen und diesen nur ungefähr fürs Endklassement hochrechnen, ohne Gewähr?“, lautete stets die gleiche Antwort des Turnierleiters Stefan Reichert. „Ja, und …?“ Analyse und „Okay, Danke!“, „Hat Spaß gemacht!“

Dritte Etappe beherrscht Sascha Schneider


Nun gut, Lukas Wenig hatte durch seine beiden Siege am ersten Turniertag seinen Punktestand mit 90 komfortabel aufgepolstert. Das war schon ein starkes Stück, das sich um so mehr Applaus verdiente, weil er sich auch auf der Kurzstrecke im 301 M.O. als Bester erwies.

Durch die Schallmauer


Theoretisch war er am Sonntag noch einzuholen, allerdings reichte ihm Platz 13, versehen mit 15 Zählern, um nicht nur die meisten Punkte zu erzielen, sondern auch als Einziger die 100er-Schallmauer zu durchbrechen.

Links und rechts wurde überholt

Dahinter wurde links und rechts überholt. Als Über-Meister darin verstand sich Sacha Schneider, der den dritten Durchgang dominierte. Zuvor betrug sein Kontostand 37, doch aufgrund der 45 Zähler für seinen Sieg auf der 3. Etappe schoss er sich an Position zwei im Gesamtklassement. Im Endspiel gegen Steven Noster ging es zwischen den beiden um nicht weniger als diesen zweiten Platz. Den Fight entschied Sascha Schneider für sich, wie immer bescheiden, blieb er reserviert.

Sascha Schneider siegt auf der dritten Etappe

Der Spielverlauf aus der Sicht des späteren Siegers: 0:1, 1:1, 1:2, 2:2, 2:3, 3:3 und 4:3, der verdeutlicht, dass dies das einzige Finale in der Hauptrunde gewesen war, in dem das Match auf Razor’s Edge messerscharf ausgetragen worden ist. Sascha Schneider benötigte bei seinen Leggewinnen 25, 21, 23 und 19 Darts, sein Widersacher lag mit 18, 16 und 20 Darts deutlich darunter. Sascha Schneider scorte 1x177, 1x139, 1x140, 1x128 für Rest 8, 1x108 für Rest 32, 1x105 und 5x100 – in Summe elfmal dreistellig, damit zweimal mehr als Steve Noster, der 1x145, 4x140, 1x135, 1x132 für Rest 38 sowie 2x100 scorte. Steven Noster glänzte zudem mit einem 92er Finish in Leg Nummer fünf. Er war es auch, der den ersten Matchdarts auf der Hand hatte, der jedoch nicht im Ziel landete, während Sascha Schneider seinen sofort dorthin zirkelte, wo er hingehörte.

Lukas Wenig und Steven Noster twice

Steven Noster war dagegen nebst Lukas Wenig der Einzige, der zweimal auf dem Podium während des Wettbewerbs in der Hauptkonkurrenz stand. Sascha Schneiders zweiter Platz im Endklassement resultierte aus Rang siebzehn auf der ersten, Position fünf auf der zweiten Etappe und seinem Sieg auf der Abschlussetappe.

Der Abstand zwischen Meister und Vizemeister betrug am Ende 23 Punkte. „Ziemlich“ deutlich. Zwischen dem Zweiten und Dritten reduzierte sie sich die Diferenz auf sechs Points. Zwischen dem Dritten und Zehnten wurde der Unterschied mit 25 Points beziffert, das heißt im Durchnitt 3,6 Points pro Position. Es war überwiegend eng!

23 glückliche Lucky Losers

23 verschiedene Akteure sind auf den insgesamt 24 Lucky Loser Punkteplätzen zu finden. Zweimal in den Top Eight geführt zu werden, war ausschließlich dem Landadel, dem Earl of Salt, bürgerlich Marco Misof, vorbehalten gewesen, der das letzte Lucky Loser für sich entschied, und mit der Anzahl von sieben Punkten, die meisten zusammengerafft hatte. Hat durchaus auch etwas.

Auf die insgesamt 36 Top Twelve Positionen vermochten 27 verschiedene Spieler vorzudringen, neun von ihnen, nämlich Marcel Gordon, Kai Gotthardt, Simeon Heinz, Nico Jürgens, Nico Kurz, Stefan Nilles, Steven Noster, Sascha Schneider und Lukas Wenig, did it twice. Das entspricht einem Verhältnis von 4:1, was die große Breite in der Spitze unbestechlich unterstreicht. Keinem gelang ein Hattrick.

Die Rangliste der Top Twelve


Die zwei Seiten des Sports


Der eine oder andere Mitfavorit fürs Podium blieb auf der Strecke, kam in manchen Fällen sogar nicht in die Top Ten oder befand sich sogar beträchtlich weit davon entfernt. Das ist Sport! Dafür stürmten andere, auch Außenseite, nach vorn. Das ist die andere Seite der Sportmedaille. Würde dies nicht der Fall sein, dann würde sich der Sport eines ganz wesentlichen Elements berauben. Wenn alles voraussagbar wäre, dann fehlt die entscheidende Prise Salz in der Suppe.

Wettkämpfe in dem Wettkampf

Und in Geiselwind ging es bei Weitem auch nicht nur um den Sieg oder um Spitzenpositionen. Hochinteressant entwickelte sich beispielsweise das Fernduell zwischen Dietrich „DJ“ Westermann, dem alten Johannes, und Dietmar Korell, welches 16:9 endete. And the Winner is: Dietmar Korell! Na, also!

Michael Sommerfeld wollte sich natürlich in der Altersstufe Subhigh an die Spitze durchschlagen, hatte aber nicht mit Frank Schmedemann gerechnet. 25:20 für den Nordländer. Bei den Black Pubs hieß die Reihenfolge: Danijel Lukic (40), Benjamin Looser (39) und Peter Schnupfhagn (21). Wenn die weiter so mit Schnupfhagns Peter umgehen, dann fühlt der sich aber nicht mehr well.

Sladan Nedic ließ sich indes offiziell bestätigen, dass er besser als seine C-Liga Newcomers Philipp Papadopulos (8) und Christian Renner (4) gewesen sei. Die notariell beglaubigte Urkunde bestätigt seine Annahme mit 20 geilen Points. Und ab nach Bosien.

Tim Oberfrank bester Youngster

Im Bereich der Jugend taten sich die drei EM-Teilnehmer Willi Keller, Damien Noster und Tim Oberfrank hervor. Damien Noster (15 Jahre) brachte es auf 12, Willi Keller (13 Jahre) auf 16 und Tim Oberfrank (16 Jahre) auf 25 Punkte. In der ersten Etappe überraschte Tim Oberfrank alle mit einem hervorragenden 13. Platz.

Julia Gotthardt, Selin Kuruoglu, Marene Westermann

Nun schauen wir den Frauen nach. Respekt verdienten sich die Damen allesamt. Beträchtlich lange hielt die Jung-Nationalspielerin Selin Kuruoglu bei den Männern mit. Am Samstag belegte sie im 501 D.O. Rang 49 und am Sonntag wusste sie sogar mit Platz 25 zu gefallen. Summa summarum trug sie 20 Punkte zusammen, präsentierte sich dennoch nicht als Erfolgreichste im Gesamtklassement, denn sie wurde von Marene Westermann exakt um einen Punkt abgehängt, die auf der 2. Etappe im 301 M.O. bis zum Platz 25 durchhielt, auf der 1. Etappe 4, im ersten Lucky Loser 2 und auf der 3. Etappe 5 Zähler erkämpfte. Julia Gotthardt brachte es auf 14 Zähler und rangiert damit auf Platz drei im internen Damen-Ranking.

Turnierwrighter-Duo

Das Turnierwrighter-Duo Stefan Reichert/Bernd Molkenthin hatten sich einmal mehr etwas ganz Besonderes ausgedacht. Die zugrunde liegende Idee ist durchaus ausbaufähig, ist sexy und offenbart viele Reize, die zu vielen Höhenpunkten innerhalb eines Wettbewerbs-Akts führen kann.

Die Atmosphäre war sehr angenehm und dem Anlass entsprechend fröhlich, aber nicht nicht überschwänglich oder sogar respektlos. So wie es sich der verstorbene Michael Hümpfner sicherlich gewünsch hätte. Dass auf einem T-Shirt sogar zu lesen war „Vielen Dank für alles, Michael“, spricht Bände. Die Stimmung war taktvoll, die Spielerschaft hochmotiviert, freundlich und fair. Danke schön dafür.