Martin Schindler freut sich wie Bolle

Es ist in Stein gemeißelt, der beste Spieler der sechstägigen Super League Germany 2021 hat gewonnen: Martin Schindler! Die Verquickung von bester Spieler und Gewinner ist keine Binsenweisheit, schon gar keine Zwangsläufigkeit. Das hat der Berliner am letzten Tag in Niedernhausen selbst zu spüren bekommen. Mehrmals stand er mit den Rücken zur Wand.

Martin Schindler freut sich wie Bolle
Dragutin Horvat und ...
... Max Hopp auf Rang drei

Ein überaus authentischer Erfolg

Dass sich der viel zitierte Gedanke, dass der Beste gewinnen möge, scheint ethisch gerecht, stellt sich aber nicht automatisch ein. Ergebnislisten im Sport kennen keine Moral, auch keine Gerechtigkeit. Mit dem Faktor Gerechtigkeit haben sie schlichtweg nichts am Hut. Numerische Parameter sind vor allem eins: Nüchtern!

Den Sieg erlebte Martin Schindler beim beim Look back indes überaus emotional: „Scheiß egal. Ich bin durch!“, analysierte er nach seinem Sieg auf Sport1 gleich mehrmals. Nicht unbedingt messerscharf, aber überwältigend ehrlich und sehr authentisch. Und in der Tat zeugte sein Sieg durchaus von einer tiefgreifenden Konsequenz, für die nur einer verantwortlich zeichnete: Martin Schindler!


Halbfinals

Martin Schindler – Max Hopp 10:9

Im ersten Vorrundenspiel traf Martin Schindler auf Max Hopp. Ein nervöses Duell, bezeugt durch die insgesamt acht Breaks bis zu Martin Schindlers 6:5 Führung. Aus 6:4 wurde 6:6, 7:7, 8:8 und 9:9. Im Entscheidungsleg erzielte Max Hopp in Runde zwei 180, doch das bessere Ende hatte Martin Schindler, der mit vierzehn Darts, 72er Finish (T20/D6), seinen Schritt ins Endspiel vollendete. Max Hopp stand bei Rest 24.

Im zweiten Teil der Begegnung brachten beide Akteure jeweils ihre vier Anwürfe durch. Max Hopp scorte in Summe fünfmal 180, Martin Schindler sogar achtmal. Martin Schindlers Average lautete 95,9, der von Max Hopp 91,5.  

Florian Hempel - Dragutin Horvat 10:6

Im zweiten Halbfinale ging es nicht viel weniger dramatisch zu, obwohl Florian Hempel schnell 6:1 in Führung gehen konnte. Nach weiteren sieben Legs egalisierte Dragutin Horvat allerdings das Match mit 7:7, nachdem er in Summe zum sechstem Mal 180 gescort hatte und seinen sechsten Legdart in der vierzehnten Aufnahme mit 19 Darts ins Ziel gezirkelt hatte.

Doch das Prinzip „gleiche Augenhöhe“ entpuppte sich sehr schnell als fragil und war letztendlich nur eine Momentaufnahme. Denn in der Folge holte sich Florian Hempel die drei ausstehenden Legs zum 10:7 Erfolg. Sein dritter Matchdart fand schlussendlich sein Ziel.

Im sechzehnten Leg bewerkstelligte Florian Hempel gleich zwei 180er Würfe. Insgesamt wurden für ihn sechs registriert, für Dragutin genauso viele. Dragutin Horvat finishte mit 137 und120 im zweiten beziehungsweise elften Durchgang. Florian Hempel blieb mit 96,3 der höchse Schnitt des Tages vorbehalten, Dragutin Horvat blieb bei 88,8 stecken.

Florian Hempels Vorteil war insbesondere in seiner größeren Abgezockheit auszumachen, während Dragutin Horvat des Öfteren Gefangener seiner eigenen Emotionen blieb, gehemmt wirkte und so nie ins Spiel fand.

Endspiel

Der finale Höhepunkt 11:10

Es ging zwischen Florian Hempel und Martin Schindler hin und her. Bis zum 6:6 dehnte sich der wechselnde Vorsprung lediglich auf ein Leg aus. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Florian Hempel dreimal 180 gescort und vermochte ein 101er Finish unter Dach und Fach zu bringen, bei Martin Schindler wurden dagegen vier 180iger und ein 118er Finish dokumentiert.

Jetzt schloss sich ein Run von drei gewonnenen Legs für Martin Schindler an, der ergo 9:6 führte, inklusive 144er und 160er Finish im vierzehnten beziehungsweise fünfzehnten Leg und einem weiteren 180er Score.

Nachdem Florian mit einem 108er Finish auf 7:9 verkürzt hatte, kam er auf 8:9 heran und egalisierte das Match im nächsten größeren Stepp mit 10:10, nachdem Schindler in der zwanzigsten Aufnahme zwei Matchdarts nicht nutzen konnte.

Der Decider

Florian Hempel warf an: 361:401, 274:305, 214:184, 134 (ein Bouncer):126, 36:25 (Martin Schindler ließ seinen dritten Matchdarts liegen) und 25:0. Mit 18 Darts buchte Martin Schindler frühzeitig und sicher sein Ticket für die WM 2022. Seine Scorerate betrug 87,9, die seines Kontrahenten 88,7. Was bleibt? „Herzliche Glückwünsche"!