Keine Zeit für Mumpitz

Die Entscheidung des DSAB, den Großevent, Deutsche Meisterschaften sowie Masters of Masters 2020, zu canceln, ist schlussendlich kein autarker, kein sich selbst genügender Beschluss. Denn nebst dem Ergebnis rationaler Einschätzungen auf der einen Seite, kommt man auf der anderen nicht darum herum, den aktuellen politischen und damit gesellschaftlichen Rahmenbedingungen Rechnung zu tragen.

BM, der Kommentator, der aus der Kälte kam

Denn im Zuge der COVID-19-Pandemie gibt es allgemein Verbindliches. Das ist so  – und sollte nicht nur so sein.

Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang, dass die DSAB-Maßnahmen mehrheitlich auf positive Resonanz gestoßen sind, nämlich derart, dass man es in der Spielerschaft sehr bedauert, dass die DM und das MoM nicht stattfinden. Einerseits. Die Entscheidung allerdings andererseits zudem als zwangsläufig, konsequent, total verständlich und alternativlos bewertet worden ist. Somit ergibt sich eine überwältigende Mehrheit, die von Vorstand und Mitglieder gemeinsam getragen wird.

Nichtsdestotrotz gab es zudem „Wortmeldungen“, die Alternativen vorgeschlagen haben. Das ist nicht verwerflich, und Anregungen sind immer erfreulich. Vornehmlich spiegeln sie die ganz persönliche Sichtweise wider. Das ist ein Wesenszug der eigenen Meinung. So kollidiert der durchaus begründet dargelegte Standpunkt mit den anderen Sichtweisen. Diskussionen, Wortwechsel, selbst Wortgefechte, Urteile, Äußerungen, Argumente und Gegenargumente sind essentieller Teil der demokratischen Lebensform. Also nichts Negatives, sondern ganz im Gegenteil sehr erfreulich. Die eigene Meinung ist wichtig, nicht weniger bedeutsam ist es jedoch auch, die andere Auffassung zu respektieren. So dürfen wir positiv herausstellen, dass ganz wenig Mumpitz geäußert worden ist. Wäre in diesem Fall auch unangebracht.

Alles, auch das, was nicht via Dart1.net öffentlich gemacht worden ist, wird der DSAB-Vorstand diskutieren und auch seine Meinung darüber kundtun.

Wir alle wissen nicht, wie es mit der COVID19-Pandemie weitergehen wird. Zum jetzigen Zeitpunkt die Strukturen des DSAB grundsätzlich in Frage zu stellen, wäre jedoch unsinnig. Ein System, das sich über drei Jahrzehnte nicht nur fest etabliert, sondern bestens bewährt hat, schmeißt man nicht so mir nichts, dir nichts über Bord. Wir werden wieder andere Zeiten erleben, die Zuversicht resultiert daraus, dass die Menschheit noch jede virale Krankheit in den Griff bekommen hat, selbst das HIV-Virus. Auch wenn es hier bis heute keinen Impfstoff gibt, so doch hoch effiziente Medikamente.

Andererseits wissen wir nicht, ob das, was heute im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie Gültigkeit besitzt, morgen noch Bestand hat. Dafür kennen wir den neuen Sars-Virus noch nicht lange und vor allem nicht genug, im Prinzip erst seit einem halben Jahr. Und wenn sich die Chinesen nicht zum Lockdown der Stadt Wuhan entschlossen hätten, was zumindest zurzeit ein erfolgreicher Schritt gewesen zu sein scheint, stellt sich durchaus die Frage, ob sodann so viele andere Länder zumindest ähnlich gehandelt hätten.

Ganz unabhängig davon unterstreichen selbst Wissenschaftler, die sich eindeutig als Gegner der derzeitigen Corona-Verordnungen öffentlich outen, immer wieder, dass alle Menschen etwas tun können und sollten: Abstandhalten, Händewaschen, Maskentragen. Es wäre schlicht unverantwortlich, anders zu handeln. Dazu gehört auch, die Menschen zu sehr in Versuchungen zu führen.

Was die Akzeptanz der Verordnungen so kompliziert macht, sind die diametral unterschiedlichen Auslegungen. Unser Nachbarland Frankreich ist wesentlich härter von der COVID-19-Pandemie ergriffen, trotzdem radelt man frischweg auf der Tour de France. Die ARD überträgt vorbehaltlos. Das ist in erster Linie Business, und erst in zweiter Sport.

Dabei kann man kaum auf mehr Sport als bei diesem Event hoffen. Kein anderer Sportveranstaltung verlangt den Akteuren so viel ab wie die Tour de France. Deswegen fahren hier ausschließlich strampelnde Apotheken auf zwei Rädern mit. Vielleicht wissen wir danach mehr darüber, welche Substanzen am besten helfen. Für was auch immer. Insofern würde es durchaus Sinn machen, wenn alle auf ihren Trikots die Schriftzüge der Produkte tragen würden, die darunter munter hin und her fließen.

Ob die Tour überhaupt bis Paris tourt, werden wir noch sehen! Nicht beseelt von Schadenfreude, ganz im Gegenteil. Es wäre zu wünschen, dass keiner in Mitleidenschaft gezogen werden würde. Das gilt allerdings nicht nur für die paar Sportler, sondern für die gesamte Bevölkerung. Nicht nur die französische, denn am Ende fahren alle wieder nach Hause. 

Bitte bleiben Sie alle gesund.

BM