There’s only one Eric Bristow

Der fünffache Weltmeister und mit dem MBE-Orden Ihrer Majestät der Königin von England ausgezeichnete Eric Bristow ist im Alter von nur 60 Jahren am 5. April in Liverpool verstorben. Ein Tod, der nicht nur im direkten Umfeld des Darts-Sports tiefe Trauer ausgelöst hat.

Bernd Molkenthin, der als Marketing-Manager von Löwen S.P.O.R.T. viele Male mit Eric Bristow zusammengekommen ist und auch einige Nächte mit ihm durchzechen musste, erinnert sich:

Eric Bristows Tod beschwört Gedanken an den Fußballstar und Exzentriker George Best herauf, dem ersten Popstar auf dem grünen Rasen, der freimütig zugab: „Ich habe viel von meinem Geld für Alkohol, Weiber und schnelle Autos ausgegeben. Den Rest habe ich einfach verprasst!“ Nicht nur in dieser Reihenfolge, sondern auch schonungslos ehrlich.

Sowohl George Best als auch Eric Bristow waren Grenzgänger, beide Genies in ihrem Sport, beide zerbrachen an ihrem Ruhm, beide ertranken schlussendlich im Alkohol. Beide sind mit sich selbst schonungslos umgegangen. Nicht unbedingt vorbildlich, jedoch voller Überzeugung und fern jeglicher Schönfärberei. 

„The Crafty Cockney“ ist wohl der erste Superstar der Darts-Szene gewesen. Geschuldet dem medialen Mehrinteresse an Darts, das sich in den 80-iger Jahren des vorherigen Jahrhunderts in Großbritannien zusehends entwickelt hatte, allerdings auch der Tatsache, dass er eine Type war. Viel mehr Type als Persönlichkeit.

Sympathien flogen dem in Borough of Hackney, einem Stadtteil von London, nicht uneingeschränkt zu, er war nie Everybody’s Darling, vielmehr tat er alles, um dies auf keinem Fall zu werden. Er galt nicht nur als arrogant, er war es mit Leidenschaft. Er wusste, dass Spiele vornehmlich im Kopf entschieden werden, sowohl im eigenen als auch in denen seiner Gegner. Also hat er alles versucht, um sich zu pushen und den Gegner aus dem Konzept zu bringen. Der Zweck heiigte die Mittel.

Mit Recht darf man das dahingehend interpretieren, dass er so eine bisher unbekannte Professionalität im Darts entwickelt hatte. Wie es zuvor schon der ehemalige Schachweltmeister Bobby Fisher oder der Größte aller Zeiten Muhammad Ali vortrefflich beherrscht hatten. Leider war dies eine Lebensweisheit, die bei Eric Bristow weit über das Target hinausreichte und bei nicht wenigen pure Verachtung hervorrief.

Glaubt man den vielen Zeitzeugen, dann war er ein a..., wo immer ihm das Leben eine Gelegenheit bot. Um sich vor dem vermehrenden Hass zu schützen, hatte er schnell eine perfekte Lösung parat: Trevor Ford! Seine offizielle Berufsbezeichnung: Road Manager! Hauptfunktion: Eric Bristow in allen Lebenslagen herauszuhauen! Leider ist Trevor Ford bereits vor vielen Jahren in einem Pub wesentlich jünger verstorben. Mit den beiden on the road zu sein, war zumindest prickelnd, oftmals witzig, manchmal knallhart.

Ein Markenzeichen Eric Bristows war der mit Schuppen verzierte Kamm, der stets aus einer Hintertasche seiner Hose herauslugte und den er gekonnt immer wieder ins Spiel brachte, wenn keiner damit rechnete. Bei einer Livesendung im SWR Fernsehen war deswegen eine Moderatorin schnell einem Nervenzusammenbruch nahe. Eric Bristow reagierte mit vollkommener Unverständlichkeit – vollkommen. Und hatte seinen Spaß!

Als er wiederum bei Sat.1 live von Zuschauern per Telefon aufgefordert werden konnte, aus dem Stand vorgegebene Finishes zu spielen, quittierte er dies mit vorgehaltener Hand so: „Bernd, die Deutschen haben keine Ahnung von Darts!“ Gemeint waren sowohl die Zuschauer als auch das TV selbst! Er war aber Profi genug, um gute Miene zum schlechten Spiel zu machen. By the way habe ich Eric Bristow im Zusammenhang mit Darts nie von Sport, sondern stets von game sprechen hören.

Vom Bad Boy der englischen Literatur, Martin Amis, gibt es einen Roman mit dem Titel „1999“ (Original: „London Fields“). Die Milieustudie - von schwärzestem Humor geprägt - gerät zu einem tiefgreifenden wie schockierenden Einblick ins Leben von Darts-Spielern. Eric Bristow wird nie erwähnt, aber zwischen den Zeilen taucht er irgendwie immer auf. Unfassbar im doppelten Sinn! Extrem lesenswert.

Eric Bristow wurde nur 60 Jahre alt. Sein Leben hatte ihn nach der Devise „live hard“ hart gezeichnet. Er sagte ehrlich und überzeugt mehrmals zu mir: „Ich wollte immer Darts spielen, verdiene heute viel Geld damit und kann so mein eigenes Leben, wie ich es mir vorstelle, führen!“ Da war er ganz ehrlich. Er war überhaupt ein ehrlicher Typ. Er hat nie seine Herkunft verleugnet, hat sich immer so gegeben wie er ist. Mit all seinen Merkwürdigkeiten, so ließ er beispielsweise in Hotels immer seine Zimmertür auf. 

Es bleibt vor allem eins: „There’s only one Eric Bristow!“ Ein ganz großer Darts-Player! Phil Taylor, der in Eric Bistow einen großen Mentor gefunden hatte, schrieb auf Twitter: „Die Welt hat eine große Legende verloren!“