Eine Kurz-Geschichte

Der folgende Beitrag ist so etwas von bündig, aber nicht allzu kurz. Geht gar nicht, weil zu viele Kurz(e). Dreimal kurz wird eben nicht kürzer, sondern länger, zumal wenn jeder eine Erfolgsgeschichte geschrieben hat. „Wenn er spielt, sehe ich das erst einmal durch die Papa-Brille“, sagt der Vater offen und ehrlich. „Ich bin nicht sein Coach, sondern eben sein Vater!“

Nico Kurz =
Sabine Lischk-Kurz +
Holger Kurz - der will nur spielen
Anschließend verbringt er gerne ein bisschen Zeit auf dem Thron, der König Holger I und einzige
Nico Kurz bei der EM in Caorle, ...
... siegreich mit Monsieur Mismoudi in LV
Beim Bundresliga-Finale ...
... und bei der DM
DM-Titel mit Finalsieg über Max Hopp
Sabine Lischka-Kurz mit Hexenalarm ...
... Holger Kurz mit seinen Dart-Haien
Fokus auf Darts
Es gibt nicht drei Kurz, sondern auch die Drei von der Tanke, hier direkt an der sprudelnden Quell

„Ich bin froh, dass er kein Arsch geworden ist“, sagt die Mutter indes so überzeugend wie das nur Mütter können, ohne dieses Wenn und Aber, dass keine Widersprüche duldet.

Holger Kurz

Von wem ist denn hier eigentlich die Rede? Kurz und bündig Von Kurz! Den Darts-Kurz’. Drei an der Zahl. Alter vor Schönheit, so erst einmal von Holger Kurz, eine der lebenden und wirklichen Darts-Legenden Deutschlands, insbesondere als Teil der Dart Haie, dem erfolgreichsten deutschen Liga-Team schlechthin, in dessen Erfolgsbecken er sich seit nunmehr drei Dekaden vital tummelt, als Spieler und Captain.

Prädikatisiert: Erfolgreichstes DLMM-Sixpack. Ever! Erfolgreichste Crew des Bundesliga-Finales. Ever! Acht Titel hier, vier dort. Fünfzehn Podiumsplätze here, acht there. 23 total. Ergo: Simply the Best! Eindeutig ist die Handschrift von Holger Kurz zu erkennen, in jedem einzelnen Erfolg! Weitere Auszüge aus der Titelsammlung: Eurocup- und Worldcupsieger! Alles? Mehr geht nicht!

Sabine Lischka-Kurz

Auf der anderen Seite Sabine Lischka-Kurz. Sie zählt zu dem sehr erlesen Kreis der Spielerinnen, die nicht nur so gut wie alles gewonnen hat, sondern in der Tat alles. Alles, was es im und für den DSAB zu gewinnen gibt: DSAB Rankingliste, Deutsche Meisterin im 64er Feld – gleich viermal, öfter als jede andere Spielerin, Masters of Masters, Worldcup, EM und WM.

Aufgepasst: WM-Titel findet man auch in der Titelsammlung ihres Ehemanns. Sie 2000 in Kalkar (Deutschland) und 2009 in Zadar (Kroatien), er gleich er zweimal 2009, ebenfalls in Zadar. Bisschen Nachzügler? Beide wurden ferner vom VFS (Verein zur Förderung des Sportautomaten-Sports) mit dem Ehrenpreis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet - sie 2004, er 2008. Sag’ ich doch: Nachzügler!

Kurzum: Nico

Beide kennen sich seit rund dreißig Jahren. Viele Begegnungen auf Turnieren. 1000mal gesehen, 1000mal nichts geschehen – und es hat Zoom gemacht. 1995, Würzburg Open, 13./14. Mai. Es beschwört sich in mir herauf, als ob es gestern wäre. In diesem Zusammenhang möchte ich keine zwei Worte über die physischen Vortrefflichkeiten von Haien verlieren.

Kurzum: Ein Jahr später schwanger! „Keiana sollte eigentlich das Kind heißen“, so Sabine Lischka-Kurz, heraus kam aber ein Nico. Sabine Lischka-Kurz erinnert sich, dass der neue Weltbürger als Kleinkind durchaus mit ein paar Dartspfeilen in der Hand durch die Wohnung lief, diese ab und zu auch in eine Ecke flogen, aber mit Darts hatte Jung-Nico nichts am Hut.

Tennissocke Holger Kurz ganz unverblümt

Holger Kurz, der selbst mit dem Tennisracket gut umgehen konnte, setzte auch eher auf den weißen Sport „allein schon aus Gründen unserer Altersversorgung“, schmunzelt er. Dem (ver)blühmten Slogan „die Rente ist sicher“, traute er wohl schon damals nicht so ganz. Denkste! Es kam alles ganz anders. Denn ein paar Jährchen später drehte sich für Nico Kurz alles um König Fußball – und das sehr lange. Zum Thema Kinder auf Dartsturnieren besaß Holger Kurz sowieso eine eindeutige Meinung: „Die haben dort nichts zu suchen!“

Dann zog der 29. Juni 2014 ins Land. VFS/DSAB Löwen Tour Turnier im „Kaninchenstall“ von Nidderau und schon war die nächste große Sportkarriere geboren. Pustekuchen! BM wollte sich gerade auf ein Espresso dezent zurückziehen, als er von Holger Kurz gebodycheckt wurde: „Mein Sohn spielt jetzt mit meiner Frau im Mixed!“, annoncierte Holger Kurz die Premiere mit wegweisender Kopfbewegung. Ergo, keine Widerreden, frag nicht. Gesagt, getan. Urteil: „Sehr gute Technik …“, merkte BM an - mehr kam da nicht, denn „nett sein“ zählt nun wirklich nicht zu BMs Kernkompetenzen und schließlich kamen die beiden auch nicht über Rang sieben hinaus. Basta!

Die ersten beiden DM-Titel

Ein Jahr später besiegte Nico Kurz auf der VFS/DSAB-Löwen Tour in Idar-Oberstein, im Herren-Einzel Mario Curschmann, wie Holger Kurz ein Dart Hai, 4:1 und wurde mit den Ring of Darts der Diamantenstadt ausgezeichnet. „Das war der auslösende Moment pro Darts“, kommentiert Holger Kurz. Im gleichen Jahr gewann Nico Kurz das 128er Feld bei der 29. Auflage der „Deutschen“ in Geiselwind und außerdem noch das Herren-Doppel zusammen mit jenem Mario Curschmann.

Dass der noch die Darts ruhig in der Hand halten konnte, war nach seinem Rumpelstilzchen Auftritt im Einzel, in dem er sich die Dartseele für Nico Kurz aus dem Leib geschrien hatte, schon ein kleines Weltwunder. Es folgten für Nico Kurz weitere vier DM-Titel, inklusive dem zweiten im 128er Feld 2019, nebst DLMM-Sieg, Bundesliga-Meister, Eurocup- und Worldcupsieger sowie EM-Titel.

On the Way zum Ally Pally

2019 qualifiziert sich Nico Kurz mit seinem Sieg bei der Super League für die Weltmeisterschaft der Profis im Alexandra Palace, kurz Ally Pally, in London. Nach zwei Siegen verlässt er auf Rang siebzehn gelistet, die Bühne, die die Dartswelt bedeutet. Die Art und Weise wie er sich dort präsentierte, fand uneingeschränktes Lob und viel Anerkennung. Er ist nicht der erste Deutsche, der bei der WM der PDC mit von der Partie ist, auch nicht der Beste, aber es hat auch noch nie jemand besser abgeschnitten, auch nicht Max Hopp, der bei seinem siebten WM-Auftritt auf dem gleichen Rang wie Nico Kurz landete.

Erneuter Super League Sieg

Noch nie hatte ein Akteur seinen siegreichen Erfolg bei der Super League, der zur Teilnahme an der WM berechtigt, wiederholen können. Seit dem 15. Juni 2020 hat Nico Kurz auch hier für neue Verhältnisse gesorgt. Nach Erfolgen über Kevin Münch 8:5 und Clemens Gabriel 9:7 schlug er im Endspiel auch noch Dragutin Horvat 10:9 – damit steht dem Debütanten des letzten Jahres für seinen zweiten WM-Auftritt nichts mehr im Wege. Wenn nicht Covid-19 allen einen Strich durch die Rechnung macht ...

Übrigens alle drei Gegner der Super League 2020 hatten schon wie er bei der PDC-WM mitgemischt. Den sensationellsten Sieg hatte dabei Kevin Münch feiern können, als er bei der WM 2018 den Jackpot des zweimaligen Weltmeisters Adrian Lewis mit 3:1 entleerte. Ausgeknipst! Das absolut spektakulärste Leg zauberte indes Nico Kurz ans Board, als er bei der letzten WM ein 9-Darts Finish auf der Hand hatte, aus denen zehn Pfeile wurden. Keiner spielte ein kürzeres Leg.

Karl Valentin über die Kurz

„Wir brauchen unsere Kinder nicht erziehen, sie machen uns sowieso alles nach“, hatte Karl Valentin, das bayerische Urgestein sinnfälliger Komik einstmals geäußert. Da ist was dran! Siehe Familie Kurz. Aber in diesem Sinne sind auch die obigen mütterlichen Worte zu verstehen. Auch wenn sich der Sohn ins Rampenlicht gespielt hat, ist er Nico Kurz geblieben und ist „kein Arsch“ geworden. Also hinterlässt Erziehung doch ihre Spuren.

Quo vadis?

Kinder erfolgreicher Sport-Eltern haben es nicht unbedingt leichter. Ab und zu geht es gut. Viel öfter daneben, insbesondere in ein und derselben Sportart. Das bekannteste Beispiel ist wohl die Skifahrerfamilie Neureuther. Sohn Felix gewann dreizehn Weltcup-Rennen und belegte bei der WM Platz zwei und drei. Vater Christian gewann indes sechs Weltcup-Rennen. Und jeder Sieg ist ein sportliches Glanzlicht. Mutter Rosi Mittermaier wedelte den beiden um Längen voraus: Zweimalige Olympiasiegerin und Olympiazweite, dreifache Weltmeisterin, Gesamtworldcupsiegerin und Sportlerin des Jahres 1976. Das ist schon Extra-Klasse!

Quo vadis? Wohin der Weg von Nico Kurz führt, wissen wir nicht. Wir wissen allerdings, er ist auf einem guten Weg.

Nach dem kurzen Intermezzo auf der Piste zurück ans Board. Uns interessiert noch: Wie hat Vater Kurz den jüngsten Erfolg seines Sohnes erlebt? Ganz allein in seinem TV-Kämmerlein. „Das kann ich keinem zumuten, wenn ich so ein Match verfolge“, weiß er selbst. „Und dann war ich nur noch stolz“, fährt er fort, „auch weil ich an Nico eine neue Seite kennengelernt habe, nämlich, dass er beißen kann.“

Dart Hai eben

Dart Hai eben, würde es vielleicht aus dem Mund eines Karl Valentins sprudeln. „Er ist oft genug in Rückstand geraten", analysiert Holger Kurz, „stand im Endspiel gegen Braco mit dem Rücken an der Wand, hat das Ding gedreht und noch gewonnen. Respekt! Das war beeindruckend und ist ein weiterer Schritt nach vorn!“ In Richtung Profi-Spieler? „Wenn er eines Tages im WM-Halbfinale stehen sollte, dann kann er darüber nachdenken. Alles andere sind Hirngespinste!“, zu dieser Auffassung steht er uneingeschränkt. Nico Kurz selbst sagt: „Es bleibt alles beim Alten!“

Er nun wieder

Hat der Vater den Erfolg seines Sohnes feucht-fröhlich gefeiert? „Ich habe ihn um drei Uhr nachts von einer Autobahnraststätte abgeholt, weil er noch am selben Abend nach Hause wollte?" „Kinder bleiben eben Kinder – ein Leben lang!“ Das ist nicht von Karl Valentin, sondern von BM.