Ein würdiges Finale, ein würdiger Sieger: Peter Wright

Was haben wir gestern Abend beim finalen Höhepunkt des World Matchplays in Blackpool zu sehen bekommen? Peter Wright besiegte Dimitri van den Bergh 18:9. Damit entschied der Schotte erstmalig dieses Turnier zu seinen Gunsten und verwehrte im Parallelschwung dem Belgier die anvisierte Titelverteidigung.

Peter Wright - da blieb kein Auge trocken
Dimitri van den Bergh - ein großartiger Sportler
Peter Wright - er war einfach der Beste
Großartiger Erfolg
Sportsgeist

Ist Letztgenannter deswegen ein Loser? Weit gefehlt! Auf der anderen Seite ist Peter Wright ein würdiger Champion. Einen besseren hätte es nicht geben können. No doubt about it. Dafür kann man gleich mehrere Gründe benennen, doch ein Aspekt hebt sich von allen anderen ab: Die Konsequenz, mit der der nunmehr 51-Jährige diesen Titelgewinn angesteuert und schlussendlich realisiert hat. All seine fünf Auftritte während dieses Turniers waren unübersehbar von dem unbändigen Willen gekennzeichnet, sich zum Schluss als Sieger zu präsentieren. In keinem Kapitel dieser Erfolgsstory kam "Snakebite" ins Straucheln. Überaus beeindruckend! Er ließ einfach seine Pfeile sprechen – und nur hier liegt die Wahrheit.

Finaler Spielverlauf

Peter Wright lag von Anfang an in Führung, die er sich mit dem ersten Leg erkämpft hatte, und kam nie in Bedrängnis, diese auch nur einmal abzugeben: 4:1, 8:2, 10:5, 12:8, 17:8 sowie 18:9.

Bei den beiden relevantesten Leistungskennziffern zeigte sich Peter Wright seinem Kontrahenten überlegen. Beide spielten einen dreistelligen Average: 100,88 hieß er bei Dimitri van den Bergh sowie 105,90 bei Peter Wright, der Unterschied macht 5,02 Points aus. Bei der Checkquote lagen indes Welten dazwischen. Peter Wright dokumentierte starke 58,06, sein Kontrahent kam nur auf mäßige 27,27 – die Differenz machte stattliche 30,79 Zähler aus. Da spielt es auch keine Rolle, dass der "Dreammaker" mit elf einen 180er mehr scorte als der Weltmeister von 2020, zumal auf der anderen Seite Peter Wright mit 25 Würfen im Bereich 140plus um fünf an der Zahl besser lag als sein Widersacher. In der Kategorie 100plus summierten sich die Würfe bei Dimitri van den Bergh auf 35, beim Schotten auf 31.

Fußnoten

Es ist auch völlig irrelevant, dass Dimitri van den Bergh mit 105 nicht nur seinen höchsten Checkout, sondern den höchsten schlechthin dokumentieren konnte, während der von Peter Wright mit 89 lediglich zweistellig war. Eine schöne Fußnote – mehr nicht.

Die Bandbreite der benötigten Darts zum Leggewinn erstreckte sich bei Peter Wright von zehn bis zwanzig, bei Dimitri van den Bergh indes von zwölf bis achtzehn. Am meisten erzielte Peter Wright 15 Darts, exakt fünfmal, gefolgt von viermal 13, zweimal 11 und je einmal 20, 18, 13, 12 und 10. Bei Dimitri van den Bergh sah es so aus: Viermal 15, dreimal 12 und je einmal 18 und 14.

Kleider machen Leute

Während der Interviews im Rahmen der Siegerrehrungen erklärte Peter Wright auf Sport1 seine imposante Performance anlässlich des gesamten World Matchplays mit dem Kauf seines Beinkleides, welches er vor gut drei Monaten gekauft habe und ihn an diesem Abend so vortrefflich zierte.

Auch wenn sich dies zunächst etwas schräg-flapsig-nett anhört, kann dies durchaus als Versinnbildlichung einer Strategie interpretiert werden. Der Kauf selbst ist dabei nur der Auslöser, was dann folgt, muss knüppelhartes und zielgerichtetes Training sein. Sonst wird das nichts. Denn man kann nur das abrufen, über das man auch verfügt. Der Versuch, Darts immer wieder und immer wieder als Mentalsport zu deklarieren, wird einer solchen Leistung nicht gerecht. Nur durch ein mit einer Strategie verknüpftes Trainingskonzept kann die verbrieften Gesamtwerte von Peter Wright erklären. Average: 104,37! Checkoutquote: 49,37! 41mal 180!

Winner here, there and everywhere

Die Siegerehrung war nach all der sportlichen Rationalität ein großer Moment der Emotionalität, die sich nun Bahn brach. Auch als Runner-up, der gerade verloren hatte, darf man sich öffentlich freuen und seinen Empfindungen freien Lauf lassen, wie Dimitri van den Bergh beispielhaft unter Beweis stellte. Anerkennung, Respekt und Lob tauschten die Protagonisten vielfältig aus. Das Ganze als beste Werbung für den Dartsport zu titulieren, wäre viel zu billig - einfach, weil es von spontan erlebter Freude getragen und durchwirkt von absoluten Sportsgeist war.