DSAB - DDV 2:2, 102:69 und 371:266

Ein gemeinsamer Sichtungslehrgang von DDV (Deutscher Dart Verband) und DSAB (Deutscher Sportautomatenbund) in Darmstadt verdiente sich Bestnoten. Im Mittelpunkt der zweitägigen Veranstaltung stand ein nationaler Vergleichskampf zwischen ausgesuchten Nationalkadernspielerinnen und -spielern beider Verbände.

Lukas Wenig in Diensten des DSAB-Kaders ...
... wie auch Christian Küchler ...
... oder Martin Rümpker
Für den DDV machten sich Michael Unterbuchner ...
... oder auch Ricardo Pietreczko stark
Auf Seiten des DSAB wiederum Stefan Stoyke sowie ...
... Christian Soethe
Das DDV Damen-Team
Und das DSAB Damen-Sextett mit Sarah Brübach ...
... Sandra Kaup ...
... Michaela McClain ...
... Selin Kuruoglu ...
... Marene Westermann und Stefanie Lück ...
... aber nur weil es Lück es, nochmals Stefanie Lück
Matchmaker Bernd Molkenthin und Jürgen Rollmann
Heike Jenkins und Marene Westermann
Roland Scholten und Sky
DDV und ...
... DSAB - gegen und vor allem miteinander im Sinne des Dartsports

Das Leben ist anders. Sport auch

Das Leben in Zeiten von Corona hat sich verändert. Auch im Sport. Während viele Sportlerinnen und Sportler im Amateurbereich ihre liebste Nebensache der Welt nicht wie gewohnt ausüben dürfen, gelten für Profis andere Bedingungen und keiner will sie vom Sockel stoßen. Zumindest nicht die über-überwältigende Mehrheit. So steht beim beinharten Kick nichts im Wege, in der Formel 1 dürfen sie indes ungehemmt mit Bleifuß mit ihren Boliden über die Rennkurse der Welt brettern, als ob es kein Morgen gäbe.

Brot und Fußballspiele

Unter strengen Hygieneauflagen. Wie dehnbar sich der Begriff „streng“ erweisen kann, davon können sich Millionen Menschen mehrmals in der Woche beim Motto „Brot und Fußballspiele“ überzeugen. National wie auch international. Hier geht es schließlich um Big Money und der Profisport ist par ordre du mufti genehmigt. Daran kann man Kritik üben, muss man allerdings nicht, eher nur dann, wenn nur noch Geld den Sport regieren würde. Dem ist aber nicht so.

Sport in Zeiten von Corona

Verweilen wir kurz beim letzten Sportwochenende. Denn nicht nur Großverdiener, sondern auch ganz gewöhnliche Athleten haben sich in Szene gesetzt. Und kommen dafür aus vielen Herren Länder wie beispielsweise zu den Skiflugweltmeisterschaften ins slowenische Planica, zum Biathlon Weltcup ins österreichische Hochfilzen, wedeln Super-G im französischen Val d'Isere, flitzen beim Rennrodeln im deutschen Oberhof durch den Eiskanal oder skaten beim Skilanglauf im schweizerischen Davos. Sportalltag in Zeiten von Corona.

Und noch mehr Sport. Voraussetzung ist allerdings, dass es sich um Sportmaßnahmen mit Bundeskaderathleten handelt, ergo um Spitzensport. So können auch Lehrgänge und Wettkämpfe durchgeführt werden, wenn sie den geltenden behördlichen Genehmigungen entsprechen.

DDV versus DSAB

Lange Rede, kurzer Sinn oder besser der ausführlichen Erklärung, folgt nun die nachhaltige Essenz. In diesem konkreten Fall die Darts-Quintessenz. Im Zuge dieser Gemengelage trafen sich mit spezieller behördlicher Erlaubnis am 12. und 13. Dezember im Checkpoint in Darmstadt Spitzenspielerinnen und -spieler des DDV (Deutscher Dart Verband) und DSAB (Deutscher Sportautomatensport), um eine Lehrgangsmaßnahme unter Wettkampfbedingungen durchzuführen - unter der Leitung der präsenten DDV-Troika mit Bundestrainer Roland Scholten, Disziplintrainerin Heike Jenkins und Sportdirektor Jürgen Rollmann auf der einen sowie dem DSAB-Solisten Bernd Molkenthin auf der anderen Seite.

„Das sportliche Salz in der Suppe ist der faire, engagierte Kampf, Frau versus Frau, Mann gegen Mann, Team contra Team. Davon lebt der Sport in seiner Bestform. Wenn sich dieser Zweikampf darüber hinaus unter dem Dach einer übergeordneten Zweisamkeit entfaltet, dann dürfen wir durchaus von idealem Sport reden. So wie an diesem Wochenende", brachte es Bernd „BM" Molkenthin auf den Nenner.     

Matchmaker Jürgen Rollmann und Bernd Molkenthin

Beide Verbände hatten jeweils eine weibliche und männliche Nationalauswahl mit je sechs Akteurinnen beziehungsweise Akteuren unter ihren Fittichen, nachdem man sich diese Maßnahme ministeriell erkämpft hatte. Besonders lobend hervorzuheben ist die Kooperationsfähigkeit der beiden „Matchmaker“ Jürgen Rollmann und Bernd Molkenthin, die demonstrierten, dass es in Zeiten von Corona nicht um Steel- oder E-Darts geht, sondern um Darts schlechthin.

„Wir wollen Darts weiter am Laufen halten, auch wenn es sich derzeit überaus schwierig gestaltet“, so Bernd Molkenthin und fährt fort, „unter diesem Augenmerk verkörpern die zwei Duzend eingesetzter Aktiven nur eine Statthalterfunktion der gesamten Dartsszenerie! Ihr Einsatz gilt allen Dartsfans, auch denjenigen, die gar nicht in unseren Verbänden organisiert sind!“

Vom Olympiastützpunkt besiegelt

„Die offizielle Genehmigung zur Durchführung haben wir vom Olympiastützpunktleiter Hessen in Abstimmung mit dem Hessischen Ministerium des Innern und für Sport schriftlich erhalten. Ein Sichtungs-Lehrgang kann natürlich keine WM oder EM ersetzen, aber zumindest war es eine kleine Entschädigung für viele Teilnehmer, deren Zielwettkämpfe in diesem Jahr aufgrund der Corona Pandemie ausgefallen sind!“, betont Jürgen Rollmann, der mit viel Kompetenz, Engagement und Einfühlungsvermögen zur Realisierung dieses Projekts eine Menge beigetragen hat.

600 Quadratmeter für 24 Akteure plus vier Offizielle

So kam sowohl ein feminines Sextett als auch ein männliches Sixpack beider Sportverbände im Checkpoint zusammen, das mit seiner gastronomischen Fläche von rund 600 Quadratmetern in vier verschiedenen Räumen für die 24 Akteure plus den vier Delegationsleitern mit durchschnittlich mehr als zwanzig Quadratmetern ideale Bedingungen bot. Besser und kontrollierter als in jedem Supermarkt.

Jeglicher Ausschluss von Öffentlichkeit

Die Teams trafen einmal an den Steeldartboards, das andere Mal an den E-Dartsgeräten aufeinander, wobei sich alle Player zu gleichen Teilen in Einzel- und Doppelwettbewerben zu beweisen hatten. Und zwar auf die ganz harte Tour, Auswechselspielerinnen und -spieler gab es nämlich nicht. Auch deswegen, um die Anzahl der Spieler nicht unnötigerweise zu vermehren. Zudem hatte man auch auf eine Ankündigung der Veranstaltung verzichtet, um keine Zuschauer anzulocken. Begleitpersonen war der Zugang ebenfalls verwehrt.

DSAB-Damen mit voller Fahrt voraus ...

Bei den Damen setzte sich die DSAB-Crew sowohl im Steeldarts als auch E-Darts in der Besetzung Sarah Brübach, Sandra Kaup, Selin Kuruoglu, Stefanie Lück, Michaela McClain und Marene Westermann mit 40:5 (119:35) im ersten Wettbewerb sowie mit 26:8 (81:40) im zweiten durch. So bilanzierten die DSAB-Ladies in der Gesamtwertung mit 66:13 (200:75). Aufseiten des DDV Nationalteams waren Bärbel Holst, Stefanie Hüngsberg, Melanie Kunze, Stefanie Rennoch, Wibke Riemann und Anne Willkomm im Einsatz.

DSAB-Herren werden abgehängt

Bei den Herren schlug das Spielgeschehen einen diametralen Weg ein. Hier dominierte der DDV mit Jens Kniest, Ricardo Pietreczko, Marko Puls, Danny Tessmann, Michael Unterbuchner und Jens Ziegler die DSAB-Auswahl, zu der Andreas von der Heyden, Christian Küchler, Martin Rümpker, Christian Soethe, Stefan Stoyke und Lukas Wenig zählten. Im Steedarts zeigte sich der DDV mit 30:21 (109:98) überlegen. Das heißt, die DDV-Boys ergatterten zwar neun Spiele, aber lediglich elf Legs mehr als die DSAB-Männer, sodass Roland Scholten höflicherweise, sportlich-fair und nachdrücklich darauf hinwies: „Das ist nicht viel!“ BM war bei seiner Analyse jedoch not amused.

Nichtsdestotrotz besiegten die DDVler auch am zweiten Tag die DSAB-Mannschaft im E-Darts. Nur bis zum 3:3 zeigte sich das DSAB-Sixpack auf absoluter Augenhöhe, nachdem es sogar 2:1 vorne gelegen hatte – das erste und einzige Mal. Beim Stande von 11:13 war noch alles für den DSAB drin. Es war jedoch nicht der DSAB, der den geringen Abstand verkürzen konnte, sondern vielmehr der DDV, der den Vorsprung kontinuierlich auf 26:16 auszubauen verstand. Explizit heißt das, dass der DDV in der zweiten Hälfte der Begegnung nicht weniger als sieben Partien mehr für sich entscheiden konnte. Aus beiden Begegnungen resultierte ein Gesamtergebnis von 56:37 (191:171) zugunsten des DDV.

2:2, 102:69 und 371:266

Addiert man die Resultate der Frauen und Herren, ergibt sich schlussendlich ein 2:2, 102:69 und 371:266 mit leichten Vorteilen für den DSAB.

Ehrenpreise aus dem Hut gezaubert

Die Siegerinnen und Sieger erhielten allesamt als Ehrenpreis ein neues Board, gestiftet von der Firma Winmau. Die frohe Kunde hatte Jürgen Rollmann im Gepäck mitgebracht und verkündet. Bei den Damen ragten alle sechs Spielerinnen in einer super funktionierenden Mannschaft heraus. Nur Bestnoten, deren Spannweite von eins bis zwei plus reichte. Schlechtere Noten konnten gar nicht verteilt werden.

Michaela McClain, Stefanie Lück ...

Unser Fokus richtet sich zunächst aufs Steeldarts. Michaela McClain dokumentierte bei ihren sechs Einzelsiegen ein imposantes Legverhältnis von 18:6. Auf gleich hohem Level präsentierte sich Stefanie Lück, ebenfalls sechs Erfolge, gleichfalls ein Legverhältnis von 18:6. Das entspricht in beiden Fällen einem Quotienten von 3,0.

... Marene Westermann, Selin Kuruoglu, ...

Marene Westermann legte sogar noch zwei Schippen obendrauf, aber nur im Detail, denn ihre sechs gewonnenen Spiele wurden von einem Quotienten in Höhe von 4,5 prädikatisiert. Explizit: Lediglich vier Legs verloren. Sind solch rundum beeindruckende Leistungen überhaupt noch zu toppen? Aber ja doch! Selin Kuruoglu manifestierte sich gleichsam als unschlagbar und gab sage und schreibe nur drei Legs ab! Ein Quotient von 6:0.

... Sandra Kaup und Sarah Brübach

Sie siegten je fünfmal (17:5) und hatten damit gerade einmal jeweils ein Spiel verloren und damit die Phalanx der sechs DSABlerinnen in keiner Weise geschwächt, sondern vielmehr verstärkt, und zwar mit Legverhältnissen von 17:5 beziehungsweise 16:8, was einem Quotient von 3,4 sowie 2,0 entspricht. Das alles hat zur grandiosen Gesamtleistungen beigetragen. Marene Westermann kommentierte das stundenlange Match mit nur einem einzigen Wort: „Geil!“

DSABlerinnen dominieren auch im Steeldarts

Aber auch im Steeldarts-Vergleich überzeugten die DSAB-Frauen in allen Belangen, auch wenn das Resultat mit 26:8 (81:40) nicht ganz so famos ausfiel, aber dennoch fabelhaft war. Stefanie Lück blieb abermals unbezwingbar, gab bei ihren vier Siegen nur vier Legs ab. Nur ein Leg mehr opferte Michaela McClain. Marene Westermann gefiel bei nur einer einzigen Niederlage, die gegen Stefanie Rennoch zudem mit 2:3 äußerst knapp ausfiel, mit drei Siegen. Ansonsten lautete das Endresultat immer 3:0. Damit haben wir die steeldartserfahrenen DSAB-Damen abgehakt.

Sandra Kaup und Sarah Brübach voll up-to-date

Wie schlug sich die andere Hälfte, die so gut wie über keine oder sogar gar keine Erfahrungen im Steeldarts verfügte? Sandra Kaup gewann dreimal, verlor zweimal (12:8), Sarah Brübach dito, mit nur einer unmerklichen geringeren Differenz von 11:9.

Beste Spielerin Selin Kuruoglu

Und was machte Selin Kuruoglu? Sie absolvierte vier Begegnungen, siegte viermal und gab nur ein winziges Leg ab und unterstrich ihre Mega-Leistung mit einem 14 Dartsfinish. Damit gebührt ihr auch die Auszeichnung „beste Spielerin“ gewesen zu sein – sowohl disziplin- als auch verbandsübergreifend. Insgesamt zehn Siege mit einem Legverhältnis von 30:4 und dem adäquaten Quotienten von 7,5!!!

Sechs Siege von Christian Küchler

Bei den DSAB-Herren hob sich mit Christian Küchler nur ein einziger Akteur tatkräftigt hervor, der im Steeldart alle seine Partien zu seinen Gunsten mit einem Legverhältnis von 18:6 entscheiden konnte. Zumindest ausgeglichen schlug sich Stefan Stoyke mit jeweils drei Siegen und Niederlagen (13:12). So erging es auch Lukas Wenig, der nach drei Erfolgen ein Legverhältnis von 10:11 aufwies. Martin Rümpker siegte zweimal wie auch Christian Soethe, während Andreas von der Heyden zwar seine erste Partie gewinnen konnte, dann aber völlig von der Rolle war und seine fünf weiteren Spiele sang- und klanglos abgeben musste.

Auf der anderen Seite imponierten Michael Unterbuchner, Ricardo Pietreczko sowie Danny Tessmann mit je fünf Siegen für den DDV, wobei sich der Letztgenannte bei seinen vier 3:2 Erfolgen als besonders nervenstark und gelassen erwies. Beste Vorrausetzungen.

Lukas Wenig schlägt zurück

Die Gunst der Stunde, im E-Darts für eine gewisse Balance zu sorgen, ließen viele der DSAB-Spieler ungenutzt verstreichen. Eine bestechende Reaktion ließ Lukas „The Pumper" Wenig mit sechs Siegen folgen - viermal 3:0 und zweimal 3:1. Gewonnen 18, verloren zwei Legs. Der Quotient von 9:0 sagt alles. Hervorragend!

Die drei Siege von Martin Rümpker ließen aufhorchen, zumal beim Legverhältnis von 15:11. Dazu gestellten sich je zwei Siege von Christian Küchler und Stefan Stoyke, einer von Andreas von der Heyden und leider gar kein Sieg von Christian Soethe.

Michael Unterbuchner und Danny Tessmann hinterließen in der DDV-Auswahl mit je fünf Einzelsiegen den nachhaltigsten Eindruck. Mit vier gewonnenen Partien folgte Ricardo Pietreczko.

Beste DSABler: Lukas Wenig und Christian Küchler

Disziplinübergreifend lag in den Reihen des DSAB Lukas Wenig als Solist mit neun, gefolgt von Christian Küchler mit acht Siegen, vorn. Auf der anderen Seite hatte sich mit Michael Unterbuchner, Danny Tessmann und Ricardo Pietreczko ein Erfolgstrio geformt, wobei die beiden Erstgenannten zehnmal dem Board als Sieger den Rücken kehrten, derweil Ricardo Pietreczko neun von zwölf Partien als siegreich verbuchen konnte.

Roland Scholten lobte ...

... die zwei Tage uneingeschränkt: „Alles war bestens und beeindruckend organisiert, wir sind herzlich verwöhnt worden, die Location, sagt man so, hier ist großartig und bietet beste Bedingungen für solche Veranstaltungen. So möchte ich mich im Namen aller insbesondere bei Sladan Nedic für die tolle Gastfreundschaft bedanken. Zudem haben wir Coaches viel gesehen, was uns und dem Dartsport in Deutschland weiterhelfen wird!“

Jürgen Rollmann ergänzte ...

als DDV-Sportdirektor Jürgen Rollmann: „Wir haben unter besten Rahmenbedingungen großartigen Dartsport von Topspielern gesehen. Ein ganz großes Dankeschön geht an DSAB-Teammanager Bernd Molkenthin und Checkpoint-Betreiber Sladan Nedic, die den Kaderlehrgang in dieser Form möglich gemacht haben!“

Marene Westermann hat das letzte Wort

... weil sie dem Teammanager das Wort kurzerhand entzogen hatte. Als Sprachrohr des DSAB setzte sich Marene Westermann in Szene: „Wir Spielerinnen und Spieler können uns nur bedanken für solch ein tolles Darts-Wochenende. Alles hat gestimmt. Es hat uns Mädels mehr zusammengeschweißt. Sechs Individualisten haben sich zu einem Team mit guten Perspektiven geformt.

Bereits nach der letzten DM und den nachfolgenden Ausfällen auf der Tour hatte ich mehr und mehr darüber nachgedacht, die Pfeile an den Nagel zu hängen. Seit Sonntag weiß ich: Ich mache weiter! Denn genauso so etwas hat mir gefehlt, und ich hoffe, dass kein einziger aufhört, Darts zu spielen, sondern bin nun eher zuversichtlich, dass die Dartsbewegung größer und größer wird!“

PS: War sonst noch was?

Augenfällig durfte man beobachten, dass den üblichen Umarmungen, Küsschen hier Küsschen dort, dem Abklatschen im Minutentakt, viel dezentere Formen wie ein Lächeln, ein Kopfnicken, Daumen hoch, Fist Bump und Beifallklatschen gewichen sind. Das hatte etwas! Geprägt von Respekt, Verständnis und sympathischer Zurückhaltung.