Darts im Kampf um Anerkennung

„Image muss man sich nicht nur erarbeiten, sondern erquälen. Gerade im Sport. Very sporty!“, so hatte zur allgemeinen Erinnerung der zweite Teil unserer Miniserie zum Thema Image in Sachen Darts geendet. Zur weiteren Vertiefung oder Auffrischung: 2016 wurde Michael van Gerwens in seinem Supererfolgsjahr bei der Wahl des Sportlers des Jahres in der Niederlande zur Persona non grata erklärt, weil Darts nicht olympisch sei.

Zwei Jahre später wurde Mensur Suljović in Österreich zur Wahl des Sportlers offiziell nominiert, aber dann nicht eingeladen.

Phil Taylor hinter Tony McCoy

Dabei hatten es die Engländer doch vorgemacht, wie es geht. Bereits 2010 erschien Phil Taylor auf dem Tableau und musste sich lediglich dem Jockey Tony McCoy beugen. Wie gern der beste Dartspieler aller Zeiten die Wahl gewonnen hätte, hat er indem bekundet, dass ihm diese Ehre mehr wert gewesen wäre als der Gewinn eines WM-Titels. Schade für „The Power“, aber ein vorbildlicher Blickwinkel der Briten auf die schönste Nebensache der Welt, der nicht oft genug gelobt werden kann.

Weltoffenes Sportbild

Die sportverrückten Insulaner sind da nämlich wesentlich weitsichtiger als der Rest der Sportwelt. So wurde bereits 1988 dem sechsmaligen Weltmeister Steve Davis diese Ehre zuteil, als in Deutschland noch kaum einer wusste, was Snooker überhaupt ist. Alle drei eben Genannten übten nichtolympische Sportarten aus. Man kann den Briten nur gratulieren, dass sie über ein solch weltoffenes Bild in Sachen Sport verfügen. Denn hier wurden sportartübergreifend auch Cricket-, Golf- oder Rugbyspieler mit der Auszeichnung Sportler des Jahres geehrt. Allesamt keine olympischen Sportarten.

Gnadenbrot

Die Wertschätzung einer Sportart hängt, wenn auch nicht ausschließlich, stark von der öffentlichen Wahrnehmung ab, die letztendlich aus der Medienpräsenz resultiert. Das, was man in der Publizistik Agenda Setting nennt, übt nämlich einen ganz erheblichen Einfluss darauf aus, worüber sich der mediale Mensch überhaupt Gedanken macht. Er wird diesbezüglich manipuliert, weil er sich der entsprechenden Medienflut nicht erwehren kann, er wird von ihr förmlich überflutet. So stellt die überdimensionierte Dominanz von König Fußball viele andere Sportarten ins Abseits, wo sie in der öffentlichen Wahrnehmung ein kümmerliches Gnadenbrot fristen.

Farbtupfer Franziska van Almsick

Dabei ist die Welt des Sport doch so farbenprächtig. Die Farbtupfer wollen die Medien aber selbst setzen, bar jeglicher Rationalität und mit noch weniger Sportsgeist. Denn schnell geht es gar nicht mehr um die sportliche Leistung als solche, sondern um die Person und deren Medienattraktivität. Siehe zum Beispiel Franziska van Almsick, die Berliner Schwimmerin wurde während ihrer Karriere gleich dreimal zur Sportlerin des Jahres gewählt (1993, 1995 und 2002), gewann jedoch nie olympisches Gold. Die Kanutin Birgit Fischer musste dagegen erst achtmal Olympiasiegerin werden und damit zur erfolgreichen deutschen Olympionikin aller Zeiten avancieren sowie sage und schreibe 27 WM-Titel erpaddeln, bevor sie von den deutschen Sportjournalistin als allerbeste Athletin der deutschen Sportgesichte wahrgenommen und anerkannt wurde. Es hätte in der Tat nicht viel gefehlt und man/frau hätte sie vergessen.

Steffi Graf, Michael Schumacher und Dirk Nowitzki

Nichtsdestotrotz werden von den verschiedenen selbsterklärten Fachgremien, insbesondere bei den Medien, überproportional die Superstars, also die Profis, zu den größten Sportler*innen belobigt, wie da vornehmlich wären Steffi Graf, Michael Schumacher und Dirk Nowitzki! Das Dreigestirn sportlicher Multimillionäre. 

Können angesichts dieser Sachlage Vertreter von Außenseitersportarten überhaupt ins Rampenlicht der Öffentlichkeit rücken? Schwerlich! Sportarten, die sich schnell in der Welt des Sports etablieren konnten, gibt es mit mit Triathlon oder Beachvolleyball dennoch. Auch wenn die letztgenannte, junge Sportart schon zweimal mit Laura Ludwig und Kira Walkenhorst (Schon einmal gehört?) in der Kategorie Mannschaftssport vorne lag, 2016 und 2017, steht ihr Fußball mit insgesamt 24 erfolgreichen Wahlen wie ein Riese gegenüber. Es ist auch keine grundlegende Trendwende erkennbar, denn bei den letzten zwölf Wahlen gewannen Fußballteams sechsmal.

Darts erst einmal in der Warteschleife

Darts muss sich da erst einmal hintenanstellen, auch deswegen, weil kein deutscher Spieler die Weltelite rockt. Dennoch darf sich Darts nicht über die öffentliche Wahrnehmung beklagen. Sie ist nicht stürmisch, aber es gibt auch keine Flaute. Derzeit tut sich eben noch keine Perspektive auf, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Im wahrsten Sinne des Wortes haben es die Spielerinnen und Spieler selbst in der Hand. In diesem Sinne: Good Darts!