Darts-Ausnahmezustand: Cologne Darts Gala

Cologne Darts Gala unvergleichlich. Die CDG sprengte alles. Sie sollte gar nicht an Zuschauerzahlen gemessen werden, sondern an einem Stimmungsbaromter. Nicht Hochdruck, sondern Höchstdruck. Da liegt sie weltweit vorn. Besser als hier geht kaum! Darts-Ausnahmezustand eben!

Die Arena ist angerichtet
Christan Soethe
Profi-Weltmeister Rob Cross, ermachte kein Hehl daraus, dass er nach Köln gekommen war, um zu gewinnen
Starke Kulisse
Pressekonferenz in der Lancess Arena ...
... der eine aufmerksam ...
... ein anderer witzig ...
und einer fand's nur noch zum Heulen
Wahnsinnige Perspektiven
Christian Soethe, Raymond von Barneveld und Ralf "Mc Dart" Rademacher beim gemeinsamen Training in McDart-Land

Vorwort

Wo fängt man bei Köln an? Dass Insider Kölle sagen! Anno dunnemals, 50 n. Chr., wurde die heutige Rheinmetropole in der Kurzform tatsächlich als Colonia bezeichnet.

Die englischsprachigen Länder sind bis heute dabei geblieben. Tradition und so, ferner „ö" völlig unbekannt bei den Angelsachsen. Allen voran die Amis, denn die Ortsbezeichnung taucht in den USA gleich dreimal auf: In Minnesota, Texas und Virginia.

Cologne hat sich zudem als Qualitätsbegriff durchgesetzt: Cologne Centurios (gibt es nicht mehr), Cologne Cardinals (kennt kein Schwein), Art Cologne (nur die malende Kunstwelt), Eau de Cologne (die halbe Welt) und Cologne Darts Gala (die ganze Darts-Welt).

Was nur eine wegweisende Einleitung sein sollte, katapultiert uns förmlich mitten ins Geschehen der Lanxess Arena vor ein paar Tagen, als Kölle Kopp stand. Potstausend!

Die „Cologne Darts Gala“ ist die ureigene Idee eines gewissen Wolfgang Pütz. Was hat der mit Darts zu tun? Pütz-Liga im DSAB seit 25 Jahren, VFS-Mitglied und aktiver Teil des Vorstandes des VFS (Verein zur Förderung des Sportautomaten-Sports). Er hat große sportliche Highlights aus der Taufe gehoben: Darts-Kreuzfahrten im Mittelmeer, Darts on Board auf dem Rhein, jede Menge Exhibitions mit Darts-Profis, nie gekleckert, immer geklotzt, und last but not least die Cologne Darts Gala ins Leben gerufen.

Von 12- auf 14 000

Im letzten Jahr rund 12 000, in diesem Jahr ca. 14 000 Zuschauer. Enorm! Das hätte vor ein paar Jahren niemand gedacht, dass so etwas geht. Vielleicht der Pütz schon, auf jeden Fall hat er sich als Frontier, als Mann, der Grenzen neu auslotet, auf den Weg gemacht. Auch angesichts der Erkenntnis „Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um“ hat Wolfgang Pütz seinen ganzen Mut, bitte nicht mit Tollkühnheit verwechseln, zusammengenommen und wurde belohnt. Denn wir wissen auch: Wer nichts wagt, der nichts gewinnt!

Die Journaille war am letzten Tag des Goldenen Oktobers 2018 hin und weg. „14 000 Zuschauer feiern die Cologne Darts Gala“ (Kölnische Rundschau), „14 000 Fans feiern Darts-Superstars in Lanxess-Arena“ (Kölner Stadt-Anzeiger) oder „Weltrekord! 14 000 Fans“ (Express).

Schlüsselwort: 14 000

Der Kölner ist sich selbst der Nächste, und so werden die 14 000 zum Schlüsselwort der Headlines. Das Drumherum ist wichtiger als das sportliche Zentrum. Verkehrte Welt? Nicht unbedingt, denn ohne Öffentlichkeit, Publicity, Popularität ist noch nie eine Sportart aus ihrem Dornröschenschlaf wachgeküsst worden. Beispiele gibt es genug: Tennis, Beachvolleyball, Triathlon, Biathlon! Negative allerdings auch: Allen voran Squash!

Die zweite Auflage der Cologne Darts Gala wartete aber mit einem entscheidenden Novum auf: Unter all den Profis aus Großbritannien und den Niederlanden angefangen von Phil Taylor, Rob Cross, Raymond van Barneveld über Wayne Mardle, Darryl Fitton, Stephen Bunting, Tony O'Shea bis Christian Soethe. Ein Deutscher, ein E-Dartsspieler, ein aufrichtiger Amateur. Das absolute Novum! Ein notwendiges allemal. Wie kam es dazu? Rationelle Überlegungen! That’s all! Warum Christian Soethe? „Weil er es sich verdient hat!“, so Bernd Molkenthin in seiner Eigenschaft als faustischer Brückenbauer.

Christian Soethe 

Im Vorfeld hat Christian Soethe aus Lünen, Bundesligaspieler bei Demolition Darts Paderborn, nach seiner offiziellen Nominierung trainiert, wie ehemals Goethe gedichtet hatte, ergo hart am Limit. „Bis zu acht Stunden am Tag!“, so Christian Soethe bei der Pressekonferenz in der Lanxess-Arena, zu der er nebst dem 22-maligen Weltmeister-Trio Taylor-van Barneveld-Cross eingeladen war.

Richtigstellung: Auch wenn es sich durch die Akündigungen sowie Berichterstattungen wie ein roter Faden zog, Christian Soethe ist nicht mehrfacher Weltweltmeister im E-Darts, sondern mehrfacher Worldcup-Sieger (Las Vegas). Ein feiner Unterschied!

Christian Soethe traf in Kölle in der Gruppenphase auf Phil Taylor, Rob Cross und Tony O’Shea. Die Ergebnisse lauteten 0:3, 0:3 und 3:2 (nach 0:2 Rückstand)! Das ist auf den ersten Blick eindeutig.

Doch ein tieferer Einblick offenbart: Gegen Phil Taylor besaß Christian Soethe sowohl im ersten als auch zweiten Leg jeweils drei Legdarts auf der Hand. Leider ohne Konsequenzen. Christian Soethe scorte sogar besser als der erfolgreichste Darts-Player ever. Das war dem sechzehnfachen Weltmeister auch nicht entgangen, der Christian Soethe zuflüsterte: „Du warst der Bessere!“ Die Menge feierte „Taylor Wonderland“.

Auch gegen den amtierenden Profi-Weltmeister Rob Cross besaß Christian Soethe Checkdarts, um auf 1:2 verkürzen zu können. Gegen Tony O’Shea ging es für den selbigen um alles, hätte O’Shea nämlich das Match gegen Christian Soethe für sich entscheiden können, dann wäre er und nicht Rob Cross ins Halbfinale vorgestoßen. In einem wahren Fight rang Christian Soethe nach 0:2 Rückstand Tony O’Shea jedoch 3:2 nieder. Das hatte etwas. 

Wie ist die Leistung von Christian Soethe zu bewerten? Die Ausgangslage hatte er zuvor bei der PK klar skizziert, als er sich selbst als „krassen Außenseiter“ bezeichnet hatte, der aber „als Amateur die Profis so gut wie möglich ärgern will.“ Und das wäre ihm in der Tat beinahe vorzüglich gelungen.

Woran hat es letztendlich gehapert? Da zitieren wir am besten den Besten aller Besten, also Phil Taylor: „Das wichtigste Körperteil beim Darts ist das Gehirn.“ Den Worten folgten Taten. Gegen Christian Soethe wartete „The Power" kraftvoll mit einer 100prozentigen Checkquote auf.

Kopf entscheidet

Dieses Gehirn trieb Phil Taylor auch zum späteren Turniersieg. Nach den Gruppenerfolgen über Christian Soethe 3:0, Tony O’Shea 3:2 und Rob Cross 3:2 besiegte „The Power" im Halbfinale Wayne Mardle 4:2 und im Endspiel mit dem gleichen Ergebnis Rob Cross. Und so tönte es ein weiteres Mal an diesem Abend aus dem Publikum: „There´s only one Phil Taylor“.

Was nimmt Christian Soethe mit? Neue Erfahrungen, eine freundschaftliche Beziehung mit Raymond van Barneveld und die nachhaltige Erkenntnis, dass Training hilft - viel hilft! Und last but not least: Ich kann mehr!

Nachwort

Während die 14 000 Zuschauer es kaum glauben konnten, die Profis,insbesondere Phil Taylor, einmal live zuerleben, war Christian Soethe effektiv einer dieser exklusiven Gilde. Er selbst bleibt bescheiden: „Ich möchte mich bei allen bedanken, die mich unterstützt, mir das Vertrauen geschenkt und es mir ermöglich haben, hier als Spieler dabei sein zu dürfen.“

„Es ist unfassbar, so einen Spieler live zu sehen", „Allein für Phil Taylor hat sich das Kommen gelohnt“, „Wahnsinns Show", „Es wurde viel mehr geboten, als wir erwartet hatten", zeigte sich das Publikum in Beststimmung. Phil Taylor: „Einfach verrückt!", Rob Cross: „Diese Stimmung ist unglaublich!", Raymond van Barneveld: „Einzigartig!" Christian Soethe: „Stolz!"