Clash of Generations

Seit gestern wissen wir, effektiv um den WM-Titel der PDC kämpfen heute Abend Gerwyn Price (Wales) und der Schotte Gary Anderson. „The Iceman" steht erstmalig, „The Flying Scotsman" schon zum fünften Mal im Endspiel. Da stoßen zwei Dartswelten aufeinander. Britisches Understatement und britischer Punk. Wir dürfen uns auf ein Firework der Pfeile freuen, hoffentlich auf ein rein sportliches. Denn es ist ein Clash of Generations - ein Kampf der Generationen! Zwischen zwei Spielern, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Was sie indes vereint, ist die absolute Weltspitze.

Gerwyn Price
Gary Anderson
Gary Anderson
Gerwyn Price
Experte Christian Soethe
Chief-Experte Holger Kurz hat natürlich das letzte Wort

Average 100:98 

Gary Anderson bezwang gestern Abend Dave Chisnall im zweiten Halbfinale der PDC-WM mit 6:3. „The Flying Scotsman“ überzeugte dabei mit einem Average von 100,03. Dave Chisnall lag mit 98,57 lediglich um 1,46 Zähler darunter.
„The Flying Scotsman" scorte 82mal dreistellig, davon 13mal 180, 30mal 140plus sowie 39mal 100plus. „Chizzy“ konterte mit ebenfalls dreizehn Maxima, 23mal mit 140plus und mit nicht weniger als 51mal mit 100plus, in Summe scorte der Engländer 87mal dreistellig.

Checkquote 36:35 

Gary Anderson markierte zwei Highfinishes, sein höchstes wurde mit 124 dokumentiert, während Dave Chisnall doppelt so viele gelangen, wobei eins von 170 Punkten gekrönt worden war.
Die ermittelte Checkquote betrug bei Dave Chisnall 35,56 Prozent, bei Gary Anderson 36,67.

Legs 22:16

Ersterer entschied insgesamt 16, Letzterer 22 Legs für sich. Damit bestreitet „The Flying Scotsman“ heute Abend zum fünften Mal ein WM-Finale der PDC.

Average 100:96

Trotz des 1:3-Rückstandes gewann Gerwyn Price das erste Halbfinale der WM 2021 mit 6:4 über Stephen Bunting. Der Waliser gefiel mit einem Average von 100,92, der Engländer kam auf 96,38. „The Bullet“ scorte 88mal dreistellig (11mal 180, 28mal 140plus und 49mal 100plus), „The Iceman“ sogar 95mal (15mal 180, 31mal 140plus und 49mal 100plus).

13 Highfinishes

Nicht weniger als dreizehn Highfinishes wurden in diesem Match registriert, mehr als in jedem anderen Semifinale der PDC-Historie. Der Spitzenwert hatte bei elf gelegen. Für acht dreistellige Checkouts zeichnete Gerwyn Price verantwortlich, für die restlich fünf sein Gegner.

Leg- und Checkquote 25:18 sowie 47:52

25mal war Gerwyn Price gestern eher am Ziel, 18mal indes sein Widersacher. In der Checkquote übertrumpfte Stephen Bunting den Wert seines Gegenspielers von 47,17 Prozent um 5,77 und markierte starke 52,94 Prozent.

War sonst noch was?

Beide Gewinner haben schlussendlich sichere Siege eingefahren. Gary Anderson zeichnete sich durch sehr solides Darts aus, was letztendlich seinen Gegner zermürbt hatte. Man benötigt gar keine Flut von Highlights, die natürlich dem Ego unendlich guttun, aber auch nicht mehr, sondern es reicht vielmehr, seinen Gegner in Schach zu halten. Das beherrscht „The Flying Scotsman" par excellence. Um in diesem Zusammenhang ein deutsches Sportphänomen beispielhaft herbeizuzitieren: Bayern München! Oder im internationalen Format Niki Lauda, der Formel 1-Weltmeister wurde, ohne einen einzigen Sieg eingefahren zu haben. Auch das muss gekonnt sein.

Reine Nervensache

Dave Chisnall war auf der anderen Seite nicht so stark wie gegen Michael van Gerwen. Das liegt auch an dem Phänomen, dass das Nervensystem viel mehr Zeit zur Regeneration benötigt als das muskuläre oder das Herzkreislauf-System. Das ist eine Tatsache und eine effektive Erklärung, der leider oft genug nicht genügend Tribut gezollt wird, die aber sehr relevant für die Deutungshoheit ist, warum ein Sportler top und dann flopp ist, wobei dies nicht impliziert, dass Dave Chisnall gestern ein Flop gewesen wäre. Er hat sich nur nicht so extrem gut präsentiert wie beim Match zuvor. 

Schicht im Schach

Dass man „durch ist", kann jeden Sportler auch während einer Begegnung ereilen. Wie beispielsweise Stephen Bunting gestern in der Schlussphase oder Dave McCullen beim seinem Aufeinandertreffen mit „MvG" im letzten Leg. Wenn das Nervensystem überfordert ist, dann ist Schicht im Schach - das gilt nicht nur für Sebastian Pufpaff.

Clash of Generations

Gerwyn Price zeigte sich gestern in Topform, ehrlicherweise muss man sagen, das erste Mal auf dieser WM. Wie voll sein Akku nach der gestrigen Glanzleistung ist, werden wir heute sehen, wenn zwei Generationen Darts aufeinanderprallen. Mit 50 Jahren ist Gary Anderson der älteste Halbfinalist der diesjährigen WM gewesen. Sein Kontrahent zählt 40 Lenze. Stephen Bunting ist indes 35 Jahre alt, Gerwyn Price dito.

Hitziger Eismann

„The Iceman" ist alles andere als cool. Eher hitzig, auch unbeherrscht, sehr extrovertiert, der sich zu gern selbstdarstellt und dies auch für das Wichtigste hält. Nahezu narzisstisch! Er zeigt wenig Respekt vor den ungeschriebenen Gesetzen des Dartsports. Er posiert, was sein ungebremstes Ego und sein durchtrainierter Body hergeben. Inszeniert sich am laufenden Band, lautmalerisch mit Alpha-Männchen Grunzen und Brüllen verstärkt intoniert. Und das, wann immer es geht.

Old Scholl vs. Newcomer-Gedöns

Das kommt bei seinem heutigen Kontrahenten nicht gut an. Gary Anderson ist ein Vertreter der Old School, bei dem der Sport als solcher den Mittelpunkt bildet. Schickschnack gehört nicht dazu. „The Flying Scotsman" möchte, dass man den Dartsport und das Duell zweier Spieler achtet, auch respektvoll mit seinem Gegner umgeht. Für ihn ist Darts ein schneller Schlagabtausch, alles andere hat für ihn nichts auf der Bühne verloren.

Vorsicht, Mutter und Porzellan

Bereits gestern hat Gerwyn Price seinen Kontrahenten oftmals sehr dicht gekreuzt, wenn dieser schon am Oche stand. Auch wenn Stephen Buntings Position alles andere als zentral, sondern vielmehr äußerst rechtslastig ist, ergibt sich hier eine explosive Grauzone. Die Turnierleitung ist daher gut beraten, diese körperliche Schnittstelle heute schon im Vorfeld aus dem Weg zu räumen.

Expertenmeinung

Wie wird es heute sportlich ausgehen? Experte Christian Soethe ist sich sicher: „Gerwyn Price gewinnt, und ich würde es gut finden! Der Kerl gefällt mir!" Holger Kurz widerspricht indes: „Gary Anderson - ihm gönne ich es wirklich. Ein toller Dartspieler!"

Erste gegen fünfte Finalteilnahme

PS: Gerwyn Price hat erstmalig das WM-Endspiel erreicht. Für Gary Anderson ist es bereits das fünfte Mal. 2011 unterlag er Adrian Lewis 5:7, 2015 besiegte er Phil Taylor 7:6 und ein Jahr später Adrian Lewis 7:5, während er sich 2017 Michael van Gerwen 3:7 geschlagen geben musste.   

Finale
Sonntag, 3. Januar 2021
20:45 Uhr 
     

Der Weg von Gerwyn Price ins Endspiel:

3:2 vs. Jamie Lewis (2. Runde)
4:3 vs. Dolan Brendan (3. Runde) 
4:1 vs. Mervyn King (Achtelfinale)
5:4 vs. Daryl Gurney (Viertelfinale)
6:4 vs. Stephen Bunting (Halbfinale)

Der Weg von Gary Anderson ins Endspiel:

3:1 vs. Madars Razma (2. Runde)
4:3 vs. Mensur Suljovic (3. Runde)
4:0 vs. Devon Petersen (Achtelfinale)
5:1 vs. Dirk van Duijvenbode (Viertelfinale)
6:3 vs. Dave Chisnall (Halbfinale)