Turnierberichte
The Noobs und Gamblers in Las Vegas
Einmal im Jahr heißt es auch für die Poolbillardspieler Las Vegas. 2007 Mal rief der Veranstalter VNEA (Valley National 8-Ball League Association) bereits zum 27. Mal die Poolbillardszene nach Las Vegas, um an dem größten Poolbillardtournament der Welt teilzunehmen, das mit sage und schreibe 625 000 Dollar dotiert gewesen ist.

Diesen Wusch, einmal dieses Turnier besuchen zu können, kann den Spielern in Deutschland nur der DSAB erfüllen. Ohne den DSAB läuft für deutsche Spieler/Innen in Las Vegas gar nichts. 



Mit dem DSAB umso mehr. Denn der DSAB entsendet Jahr für Jahr nicht nur zwei Teams, sondern übernimmt auch die Flug- Hotelkosten und auch die Startgebühren - nebst Taschengeld. .
Der DSAB macht’s möglich
Für den Deutschen Sportautomatenbund gingen 2007 DSAB I und DSAB II,
sprich die Gamblers aus Schweinfurt sowie The Noobs, ebenfalls aus Schweinfurt, an den Start.
Der aktuelle Deutsche Mannschaftsmeister, die Gamblers, mussten in der so genannten Intermediate-Classe antreten, während sich die Noobs sich in der Regular-Class zu bewähren hatten. Die Intermediate-Class hat den Vorteil, das sie sich auf einem 128 Turnierplan überschaubar darstellen und so das Ziel erahnen lässt, birgt allerdings den Nachteil, dass hier
bereits ausgezeichnetes Poolbillardhandwerk zelebriert wird - und das bei allen Teams durchgängig.
In der Regular-Class waren 2007 schon rund 500 Teams mit von der Partie, darunter auch Crews, die sich im Umgang mit dem Queue etwas schwerer tun. Aber auch in dieser Klasse sind billardtechnisch bei paar richtige Schmuckstücke zu finden. Allerdings muss man erst die ungeheuere Masse hinter sich lassen, um seine eigene Klasse herauszustreichen - und wie sooft gilt auch hier: Zu viele Jäger sind des Hasen Tod!
Gamblers durch die Vorrunde
Zunächst mussten beide DSAB-Teams erst einmal die Vorrunden überstehen.
Der Auftakt der Gamblers gegen FCB Sharks aus Nebraska in der Intermediate-Class verlief ohne Rhythmusstörungen, und die Gamblers verließen den Ort des Poolgeschehens siegreich mit 165:136.
Bei der zweiten Begegnung fanden die Gamblers überhaupt nicht in ihr Spiel und mussten von den ersten zehn Partien nicht weniger als acht an die Sportsmen aus Ohio abgeben. Den Vorsprung der Sportsmen vermochten die Gamblers nicht mehr einzuholen, zumal die Boys aus Ohio nicht weniger als acht An-Aus Partien hinlegten.
Mit 129:156 verloren die Gamblers und nüchtern betrachtet, waren sie nie in der Lage, ihre Gegner in Bedrängnis zu bringen. Die logische Konsequenz: Die Gamblers mussten bereits nach dem zweiten Match auf die Verliererseite. Keine günstigen Voraussetzungen.
Beim Aufeinandertreffen mit Club 91 aus Idaho ging es für die Gamblers bereits
um alles. Und es entwickelte sich noch dramatischer, denn bis zur letzten Partie war noch nichts in trockenen Tüchern. Frank Lauerbach musste unbedingt noch vier Kugeln versenken, um den Sieg sicherzustellen. Der Deutsche Einzelmeister meister diese Aufgabe jedoch meisterlich.
Gegen Predators Alabama präsentierten sich die Gamblers endlich selbstsicher und gewannen die Partie souverän mit 181:152.
Noch ein Match und die Gamblers hätten sich für die Finalrunde qualifiziert, denn die jeweils besten vier Team aus den Vorrunden qualifizierten sich für das Finalgeschehen. Dafür mussten sie aber Spanien I besiegen, aber danach sah es zunächst nicht unbedingt aus.

Der Deutsche Rekordmeister musste vielmehr bis zur dritten Runde ständig einem Vorsprung der spanischen Konkurrenz hinterher hecheln. Dann tarierte sich die Begegnung allerdings aus, um letztendlich den Gamblers einen 171:158 Sieg zu bescheren.
Super Auftakt in der Finalrunde
Der erste Gegner in der Finalrunde der besten 32 Mannschaften hieß Rosario’s
Primtime und kam aus Alabama. Nachdem sich die Gamblers in der Mitte der Begegnung endlich von ihrem Gegner etwas zu lösen verstanden, bauten sie ihre Führung kontinuierlich aus, bis im vierletzten Spiel Thorsten Endres bereits alles klarmachen konnte: 162:130.
Bordwalk Illinois entpuppe sich anschließend indes als zäher Gegner. Bis zum 16. Spiel lagen die Gamblers in Front, dann egalisierte Bordwalk das Match, um mit den Partien 18 und 19 sogar kurz vor der Ziellinie in Führung zu gehen. Die Gamblers aktivierten aber alle Kräfte und mit einem gewaltigen Endspurt wurde der Gegner noch regelrecht mit 165:144 platt gemacht.
Unter Wert geschlagen
Beim Match von 9 auf 5 gegen Pocket Untouchables aus Illinois ging es ganz eng zu. Nach der ersten Runden lagen die Gamblers 32:34 hinten und verkürzten diesen hauchdünnen Vorsprung auf einen einzigen Punkt nach der zweiten Runde: 71:72.
In der dritten Runde vermochte anschließend lediglich Daniel Erdmann sein Spiel zu gewinnen, und die Gamblers lagen, nachdem einiges verschenkt worden war, schnell mit 97:113 hinten. Dieser Vorsprung war nicht mehr wirklich aufzuholen, sodass bereits das 23. Spiel mit 158:175 die Entscheidung gegen die Gamblers brachte.
Die Gamblers werteten die Niederlage zwar als verlorenes Match, aber nicht als Turnierniederlage. Nach dem ersten Frust vereinigte man auf der Verliererseite konzentriert seine Kräfte gegen Amusement Illinois und lag nach Zweidrittel der Spielzeit mit 30 Punkten sicher in Front.
In der Folge ging sodann aber alles schief - und zwar in der gesamten Mannschaft. Wer etwas herzuschenken hatte, tat dieses großzügig. Der Vorsprung schmolz nicht nur in Lichtgeschwindigkeit, sondern verwandelte sich prompt in einen 18 Punkte Rückstand - und das drei Spiele vor Matchende. Die paar Pünktchen, die die Gegner noch benötigten, sammelten die Jungs aus Illinois sicher ein, und die Gamblers waren out. Ohne Frage die Gamblers wurden unter Wert geschlagen.
Bestes Ergebnis in der Las Vegas-Geschichte
Platz fünf - das ist die nüchterne Bilanz. Bei näherer Betrachtung und
Hinzuziehung aller Resultate, die die Gamblers in bereits dreizehn Jahren Las Vegas gesammelt haben, stellt sich Rang fünf allerdings als das absolut beste Resultat dar. Bis zu diesem Jahr war die Schweinfurter Truppe nie über Platz 13 hinausgekommen.
Insofern ist Platz fünf eine wirklich hervorragende Leistung, mit der sich alle Gamblers sowie der DSAB sehr zufrieden zeigen durften. Aber es ist auch eine Tatsache, dass für die Gamblers mehr drin gewesen wäre. „Ein Podiumsplatz allemal, das Finale durchaus und vielleicht sogar der Turniersieg. Aber was 2007 noch nicht sein sollte, kann ja noch werden - maybe 2008 …“, so der VFS/DSAB-Sprecher Bernd Molkenthin.
Zweifelsohne haben sowohl die Gamblers als auch The Noobs den DSAB in sportlich fairer Manier bestens präsentiert und „auf beide Teams dürfen wir stolz sein!“, ergänzte Michael Hümpfner, der 1. Vorsitzende des VFS.
Die Win-Win-Mentalität zählt
Dass die DSAB-Akteure zu den besten Poolbillardspielern in Las Vegas überhaupt zählten, steht ganz außer Frage. In Bezug auf technische Fertigkeiten, aber insbesondere beim Spielverständnis und den damit verbundenen strategisch-taktischen Planungsmodellen sind sie den US-Boys in der Regel weit überlegen.
Die Amis arbeiten ihr Spiel indes vielmehr ab und kümmern sich immer erst - im wahrsten Sinne des Wortes - um das nächstliegende Problem. Ein Konzept, das ihrem Spielvermögen entspricht, das allerdings auch auf einem 6-im Gegensatz zum 9-Fuß Tisch anwendbar ist und erfolgreich sein kann.
Darüber müssen sich aber alle DSAB-Spieler unbedingt klar werden, hier in Las Vegas wird ausschließlich und nichts anderes als das beste Team am 6-Fuß Tisch gesucht und gegehrt, das zudem alles dem Sieg unterordnet, gegebenenfalls auch Fairness … das ist nun einmal der ruppige American Way of Pool-Life! Um tatsächlich einmal in Las Vegas gewinnen zu können, muss man dies absolut verinnerlichen …
Beeindruckender Beginn der Noobs
The Noobs hatten sich in Las Vegas als sympathisches und schlagfertiges Team
präsentiert. Ihr Auftritt in der Regular-Class hatte etwas. In den Vorrunden zeigten sie keine Blößen, fanden schnell den richtigen Spielpuls und beherrschten ihre Gegner in hervorragender Manier. Im Gegensatz zu den Gamblers zogen sie auch ungeschlagen in die Finalrunde ein.
Langsam hatte man sich an die raue Spielweise der US-Boys gewöhnt und gab sich zuversichtlich. „Wir wollen dieses Turnier gewinnen!“, hieß es unisono und war aufgrund der bisher gezeigten Leistung nicht nur Wunschdenken.
In der Finalrunde wehte allerdings von Anfang an ein anderer Wind. Die Spreu hatte sich vom Weizen getrennt. Aber die Noobs waren gut drauf, dennoch musste die Entscheidung im ersten Match in der Finalrunde bis zum 25. Spiel - der letztmöglichen Partie - vertagt werden, auch deswegen, weil die Noobs in der psychologischen Kriegsführung etwas zu smooth waren, was sie allerdings auf der anderen Seite auch ehrt.
Gewonnen und doch verloren
Aber das letzte Spiel lief dank Oliver Afsah bestens. Er cleante den Tisch und
musste nur noch die schwarze 8 versenken. Alle Augen starten wie gebahnt auf den Tisch, allerdings nicht auf die Schwarze 8, sondern auf den Button, der laut Regelwerk eindeutig neben die Tasche gelegt werden muss, in die der Akteur beabsichtigt, die 8 zu spielen. Und dies hatte Afsah schlicht und einfach in der Aufregung und der Vorfreude auf das vermeintlich gewonnen Match vergessen …
Die Amis nahmen jubelnd das Gastgeschenk an - auch dies ist eine typische amerikanische Eigenart: Man freut sich unverhohlen über Fehler der Gegner!
Ein Unglück kommt selten allein
Aber die Noobs glaubten weiter an ihre Chance auch wenn auf der Verliererseite jedes Match zum Endspiel wird. In der nächsten Begegnung musste nach verbissenem Fight die Entscheidung abermals im letztmöglichen Spiel gesucht werden. Und wieder war es an Afsah.
Leider fiel beim Breaken kein Ball, was den deutschen Akteuren ganz allgemein
überaus oft passierte, sodass Afsahs Kontrahent in seiner Slowhand-Spielweise den Tisch langsam, aber sich abzuräumen begann. Doch dann unterlief auch ihm ein eklatanter Fehler und Afsah bekam seine zweite Chance, die er zunächst auch hervorragend zu nutzen wusste, seine letzte Kugel lag aber so unglücklich, dass er lieber safe spielen wollte, was allerdings völlig daneben ging.
Die fatale und letztendliche Konsequenz: The Noobs waren draußen! Wirklich schade, denn sie hatten wirklich mehr drauf gehabt. Aber vielleicht bekommen sie noch einmal eine Chance, ihre wahren Kräfte an den Tischen in Las Vegas walten zu lassen.
„Insgesamt haben die beiden DSAB-Teams einen sehr guten Eindruck in Las Vegas hinterlassen und haben den DSAB würdig vertreten!“, lobte abschließend der DSAB- Präsident Stefan Reichert.
PS: Thomas Meister belegte im 8-Ball Einzel unter vielen Hunderten von Spielern einen hervorragenden siebzehnten Rang, Gerhardt „Otto“ Werner indes kam beim Poker-Turnier auf Platz vier. Zwei Klasse-Leistungen!










