Turnierberichte
Deutschlandcup-Poolbillard: Andreas Kraft fliegt nach Las Vegas
Der Deutschlandcup Poolbillard 8-Ball feierte am 7. März im Schweinfurter Display seine elfte Auflage.
Der erste Gewinner hieß Gerhard Werner. Es folgten Peter Weippert (zweimal), Frank Lauerbach nicht weniger als sechsmal sowie der aktuelle Titelverteidiger Thorsten Endres - allesamt "Gamblers".
Und nun 2009?
Auf vier starken Säulen fußte der 11. Deutscher DSAB Poolbillardcup 8 Ball für Liga-Einzelspieler, der gleichzeitig die Endausscheidung für den VNEA World Cup Las Vegas 2009 (21. - 30. Mai) verkörpert, nämlich auf großen Überraschungen sowie sehenswerten Aktionen, auf Motivation und Zielstrebigkeit. Seine Schwächen: Dem Turnier fehlte eine gewisse Rahmen-Dynamik und wirkte so etwas dereglementiert, sogar derangiert.
Thorsten "Killer" Rückel wird gerade von Gerhard "Otto" Werner gekillt
Nichtsdestotrotz von den 31 gemeldeten Akteuren nahmen am 7. März in der Spielhalle Display in der Matthäus-Stäblein-Straße 2 in Schweinfurt 29 DSAB-Spieler die Queues tatsächlich in die Hand und damit das anvisierte Fernziel Las Vegas ins Auge, zudem sich der Beste dieser verschworenen Gilde alljährlich qualifiziert. Für die Ränge zwei bis sieben waren außerdem attraktive Sportförderpreise ausgelobt.
Udo Schieder
Der Event war als zweitägige Veranstaltung ausgeschrieben, wurde aber innerhalb eines Tages „abgeharkt“. Dagegen ist an sich nichts einzuwenden, nur wird die formale Ausschreibung so nicht nur ad absurdum geführt, sondern hat auch erhebliche Irritationen im weiteren Umfeld zur Folge (TV!), zumal wenn die zeitlichen Eckdaten zudem mit einer arroganten Selbstherrlichkeit zu Schall und Rauch degradiert werden.
Udo Schaub setzt sich auf der Verliererseite mit 4:2 gegen André Keil durch
Das alles schmälert natürlich nicht im Geringsten die Leistungen der Akteure, und das Temperament des Turniers sah sich nie veranlasst, hinsichtlich Überraschungen und Big Points zu geizen. Zu den ganz großen Überraschungen zählte sicherlich die unumstößliche Tatsache, dass die sowohl erfolgsverwöhnten als auch erfolgsträchtigen Gamblers auf der Gewinnerseite nicht einen Einzigen aus ihren Reihen ins Spiel ums Finale durchbringen konnten. 
Ötztürk "Fuchs" Cetin muss nach der 2:4 Niederlage gegen Thorsten Endres passen
Gleich in der ersten Runde traf es Frank Lauerbach, der sich mit 3:4 zwar knapp, aber immerhin dem Outsider Thorsten Stahl geschlagen geben musste. „Gegen Stahli zu verlieren, ist immer drin!“, kommentierte Frank Lauerbach, der dieses Resultat nicht als Fauxpas missverstanden wissen wollte. Nicht besser erging es Daniel Erdmann, der gleich gegen Udo Schieder mit 2:4 unterlag.
Bereits sechsmal (!) hat Frank Lauerbach den Deutschlandcup
gewinnen können - dieses Mal muss er mit Rang 9 vorlieb nehmen
Eine Runde später erwischte es den Titelverteidiger Thorsten Endres, der sich 1:4 Peter Weippert beugen musste, damit aber nicht nur ein weiterer Gambler auf der Verliererseite, sondern auch das Positive: Ein Gambler zumindest eine Runde weiter, und das, was Peter Weippert bis dahin gezeigt hatte, war allemal meisterschaftsverdächtig.

Christoph Spall kann sich viermal auf der Verliererseite durchsetzen:
Platz 7
Auf die Verliererseite musste indes auch Dieter Kopic, der nach dem Auftaktsieg gegen Öztürk „Fuchs“ Cetin mit 4:2 jetzt mit 1:4 gegen Jeffrey Krines den Kürzeren zog. 
Peter Weippert, der Sieger von 2002 und 2003, mit Handícap auf
Platz 5
Bei den vier Begegnungen von 9 auf 5 wurden die zwei verbleibenden Gambler von Verlusten verschont. Nicht nur das, Peter Weippert zeigte sich in der Tat einem fast gelähmt wirkenden Danilo Radunovic mit 5:2 eindeutig überlegen, und auch Gerhard „Otto“ Werner siegte in seinem dritten Match gegen Jeffrey Krines unangefochten mit 5:2, nachdem er zuvor bereits Udo Schaub mit 4:0 sowie Thorsten Rückel mit 4:2 bezwungen hatte.
Gerhard "Otto" Werner, der erste Gewinner des Deutschlandcups 1999, 2009 als Fünfter platziert
Bei den beiden Begegnungen von 5 auf 3 mussten die beiden starken Gamblers allerdings allseits Federn lassen. Und zwar kräftig! Ein durch eine Bindehautentzündung gehandicapter Peter Weippert musste sich Martin Karl mit 0:5 geschlagen geben, lobte allerdings auch seinen Gegner: „Sein Sieg geht völlig in Ordnung!“ Gerhard „Otto“ Werner besaß letztendlich gegen Andreas Kraft ebenso keine wirkliche Chance und musste eine 1:5 Niederlage hinnehmen, auch wenn er dicht an dem einen oder anderen Punktgewinn dran gewesen war.
Dieter Kopic landet auf Platz 7
So machten Martin Karl und Andreas Kraft den ersten Finalisten unter sich aus. Martin Karl hatte zuvor noch gegen Viktor Rauch mit 4:1, Thorsten Stahl 4:0 sowie Robert Gernet 5:3 gewonnen, während sich Andreas Kraft gegen Johannes Kiesel mit 4:0, Peter Hahn mit 4:2 sowie Thomas Wolfstädter knapp mit 5:4 durchgesetzt hatte.
Bei der Kampfansage gegen Martin Karl in einer betonten Kampfpartie und ummantelt mit einer gehörigen Zeiteinheit-Poolbillard verlies schließlich Andreas Kraft mit 6:3 den Tisch als Sieger.
Auf der Verliererseite sorgte dagegen insbesondere ein Spieler für Furore: Danilo Radunovic! In einer spannenden Partie gegen Frank Lauerbach, bei der das Spiel wahrlich auf des Messers Schneide stand, gewann er hauchdünn mit 5:4. Sein erstes Gambler-Opfer.
Abschließend setzte sich Danilo Radunovic gegen Dieter Kopic aufgepeppt mit einem verbalen Intermezzo mit 5:2 durch. Sein zweites Gambler-Opfer.
Gegen Gerhard „Otto“ Werner bestand Danilo Radunovic mit 5:3, auch deswegen, weil sein Kontrahent seine Möglichkeiten nicht konsequent zu nutzen verstand. Sein drittes Gambler-Opfer.
Nun ging es versus Thorsten Endres, der beim Spiel von 5 auf 4 noch gegen Peter Weippert mit 5:2 die Oberhand behalten hatte, aber in der Begegnung von 4 auf 3 gegen einen famos aufspielenden Danilo Radunovic nichts ausrichten konnte und 1:5 verlor. Sein viertes Gambler-Opfer – mehr waren auch nicht mehr da!
Der Titelverteidiger Thorsten Endres schrammt als Vierter knapp am Podium vorbei
Damit war klar, kein Gambler auf dem Podium – und Danilo Radunovic weiter auf dem Vormarsch, als er beim Spiel ums Finale auf der Verliererseite nach 4:4 Zwischenstand die beiden nötigen Punkte gegen Martin Karl noch einheimsen konnte.

Danilo Radunovic mit beeindruckender Siegesserie
“Der dritte Platz ist schon gut, aber letztendlich bin ich mit dem Verlauf des Turniers nicht richtig zufrieden!“, kommentierte Martin Karl nach seiner zweiten verpassten Chance aufs Finale nachvollziehbar. 
Martin Karl überzeugte voll ...
Im Gipfeltreffen und damit im Kampf um Las Vegas standen sich nun Danilo Radunovic von der Verliererseite kommend und Andreas Kraft mit dem Vorteil der Gewinnerseite beim Showdown gegenüber. Und das hätte beim Finalmodus "best of 13" eine lange Nacht der Queues werden können, zumal wenn Danilo Radunovic im ersten Match den Ausgleich geschafft hätte … 
... , aber am Ende hätte er doch gern mehr gewollt
Nachdem Andreas Kraft das Ausspielen ums Break gewonnen hatte, münzte er diesen Vorteil auch, um 1:0 in Führung zu gehen. Mit einer An-Aus-Partie balancierte allerdings Danilo Radunovic das Match postwendend aus. Mit der gleichen Dynamik erkämpfte sich Andreas Kraft mit 2:1 die Führung zurück, um sodann in einer Aufnahme sogar auf 3:1 zu erhöhen, nachdem bei Danilo Radunovics Break nichts gefallen war. Aber nicht nur das – mit einer weiteren An-Aus Partie eilte Andreas Kraft auf 4:1 davon.
Auch wenn dies ein komfortables Polster für Andreas Kraft bedeutete, steckte Danilo Radunovic nicht auf. Mit einer An-Aus-Partie verkürzte er nicht nur auf 2:4, sondern kam sogar auf 3:4 heran. Dieser Punktgewinn seitens Danilo Radunovics resultierte allerdings daraus, dass Andreas Kraft beim Versuch die Acht zum 5:2 zu versenken, abgerutscht war und so Danilo Radunovic seine noch verbliebenen sieben Kugeln und anschließend die Acht munter drauflos einlochen konnte.
Dafür besaß Danilo Radunovic in der nächsten Aufnahme gleich zweimal die Chance, die Acht zum Punktgewinn zu versenken, scheiterte beim ersten Mal knapp und beim zweiten Mal misslang ein Jumpshoot. Dieses Mal war Andreas Kraft der Glückliche, der zunächst seine drei auf dem Tisch befindlichen Kugeln abräumte, um sodann die Acht zum 6:3 einzuschießen.

Danilo Radunovic imponiert als Vize-Meister
Auch wenn sich Danilo Radunovic noch einen weiteren Punkt zum 4:6 sichern konnte, brachte er Andreas Kraft nicht mehr in Bedrängnis. Mit einer An-Aus Partie schoss sich Andreas "Krafti" Kraft nicht nur zum Sieg und Titelgewinn, sondern auch nach Las Vegas. Und obendrauf ist er der Erste Nicht-Gambler, der diesen Titel erringen konnte. 



Der Unterlegene zeigte sich zwar auf der einen Seite mit dem zweiten Platz sehr zufrieden, haderte jedoch etwas mit dem Glück des einen und dem Pech des anderen, aber ohne Zweifel ging der Sieg von Andreas Kraft vollends in Ordnung – er war an diesem Tag einfach der Beste. Und so nutzte er vielleicht seine letzte Möglichkeit, noch einmal nach Las Vegas zu kommen, konsequent. Der Grund: „Im August rückt mein zweiter Nachwuchs an und dann habe ich andere Pflichten und Aufgaben!“ Umso schöner, dass es nun doch noch geklappt hat. See you in Las Vegas!
EndstandDeutschlandcup 2009Poolbillard 8-Ball | |
| 1. | Andreas Kraft |
| 2. | Danilo Radunovic |
| 3. | Martin Karl |
| 4. | Thorsten Endres |
| 5. | Peter Weippert |
| 5. | Gerhard Werner |
| 7. | Dieter Kopic |
| 7. | Christoph Spall |
Die ewige Siegertafel DSAB DLMM-Einzelspieler | |
| Gerhard Werner | 1999 |
| Frank Lauerbach | 2000 |
| Frank Lauerbach | 2001 |
| Peter Weippert | 2002 |
| Peter Weippert | 2003 |
| Frank Lauerbach | 2004 |
| Frank Lauerbach | 2005 |
| Frank Lauerbach | 2006 |
| Frank Lauerbach | 2007 |
| Thorsten Endres | 2008 |
| Andreas Kraft | 2009 |










